Paradox: Deutsche setzen auf Cash – wollen aber auch hohe Renditen
Viele deutsche Anleger erwarten eine jährliche Rendite von knapp sieben Prozent, halten aber ein Drittel ihres investierbaren Vermögens in Cash-Beständen. Eine aktuelle Studie zeigt die Diskrepanz zwischen Renditeerwartungen und tatsächlichen Anlagestrategien auf.
Deutsche Privatanleger laufen Gefahr, ihre langfristigen finanziellen Ziele nicht zu erreichen, da sie immer noch mehr als ein Drittel (34%) ihres investierbaren Vermögens in Cash anlegen. Aber auch die Verbraucher in den Nachbarstaaten legen renditearm an: Im europäischen Durchschnitt beträgt die Cash-Quote sogar 36 Prozent. Davon liegen rund drei Viertel auf Kontokorrent- und Sparkonten und ist ein Viertel in Cash-Investmentprodukten angelegt.
Dies zeigen die Ergebnisse der im Auftrag von Fidelity International durchgeführten "Be Invested Global Survey 2026" unter 13.000 Privatanlegern in Europa und der Asien-Pazifik-Region – darunter 1.000 Anleger in Deutschland.

Quelle: Fidelity International Be Invested Global Survey 2026
Notgroschen
Als Gründe für die hohen Cash-Bestände nennen Anleger laut einer Pressemitteilung der zu Fidelity International gehörenden Fondsplattform FFB, dass die Mittel ihre "Notgroschen" (44%) sind, dass sie die Mittel kurzfristig benötigen (18%), Bedenken hinsichtlich möglicher Verluste haben (12%) und auf bessere Marktbedingungen für Investments warten (7%).
Diese vorsichtige Positionierung steht jedoch ehrgeizigen Erwartungen gegenüber. Die befragten Anleger gaben der FFB zufolge an, für die nächsten fünf Jahre eine durchschnittliche jährliche Rendite von 6,7 Prozent zu erwarten (siehe Grafik unten). Dabei sind 70 Prozent zuversichtlich, ihre finanziellen Ziele zu erreichen, was auf eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen und der aktuellen Portfoliozusammensetzung hindeutet.

Quelle: Fidelity International Be Invested Global Survey 2026
"Hohe Cash-Positionen limitieren das Renditepotenzial erheblich"
"Es ist zu begrüßen, dass Privatanleger in Bezug auf ihre langfristigen Anlageziele zuversichtlich sind. Allerdings spiegelt sich dieser Optimismus nicht immer in der Portfoliozusammensetzung wider", kommentiert Jan Schepanek, Sprecher der Geschäftsführung der FFB und verantwortlich für das Privatkundengeschäft von Fidelity International in Deutschland.
"Hohe Cash-Positionen mögen das Gefühl von Sicherheit vermitteln, sie limitieren jedoch das Renditepotenzial erheblich. Um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen, ist es ratsam, dass Anleger ein klares Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Anlagerisiko und Rendite entwickeln und erkennen, wie die Vermögensaufteilung die Anlageergebnisse beeinflusst. Zudem sollten Anleger ihre Portfoliostruktur auf ihre langfristigen Ziele ausrichten", so Schepanek.
Drohender Kaufkraftverlust
Laut den "Capital Market Assumptions" von Fidelity, einer zukunftsorientierten Prognose der langfristigen Renditen von Anlageklassen, ist für ein vollständig aus Cash-Instrumenten bestehendes Portfolio unter Berücksichtigung der Inflation über zehn Jahre eine negative Realrendite beziehungsweise ein Kaufkraftverlust zu erwarten. Hohe Cash-Bestände können die Rendite erheblich schmälern, sodass Anleger in diesem Zeitraum fast 40 Prozent hinter ihren Erwartungen zurückbleiben könnten.
Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisse auf Basis der Fidelity-"Capital Market Assumptions" für eine Reihe von Portfolioallokationen mit unterschiedlichen Cash-, Aktien- und Anleiheanteilen.

Quelle: Fidelity International Capital Market Assumptions, April 2026, und Opinium Be Invested Global Study, Februar und März 2026
Erfreulicherweise sind Anleger aber auch bereit, zu lernen und ihr Portfolio neu auszurichten, schreibt der Finanzdienstleister weiter. So wollen 36 Prozent der Befragten von Cash in Aktien und zwölf Prozent von Cash in Anleihen umschichten. Steueranreize (30%), bessere Informationen zu den Anlagen (23%) sowie Aufklärung darüber, wie man investieren kann (22%), wurden dabei als wichtigste Voraussetzung für diese Umschichtungen genannt. (fp)




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