Politik-Influencerin: Wie sich Berater die Gen Z erschließen können
Clara von Nathusius, Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, ist "Digital Native". Auf dem FONDS professionell Investmentforum SACHWERTE erklärt sie, wie die Tiktok-Generation in Sachen Finanzberatung tickt. Hier schon mal ein Vorgeschmack.
Die Generation, die jetzt ins Berufsleben startet, hat ein komplett anderes Verhältnis zu Finanzen und Altersvorsorge als ihre Vorgängergenerationen. Die Anlageberatung wird sich umstellen müssen, um sie noch zu erreichen.
Die 30-jährige Clara von Nathusius, Politik-Influencerin und Strategieberaterin, spricht im Interview mit FONDS professionell ONLINE darüber, wie künstliche Intelligenz, der gesellschaftliche Wandel und die Erwartungen der mit Social Media aufgewachsenen Generation die Anlageberatung verändern. Live erleben können Sie Clara von Nathusius auf dem FONDS professionell Investmentforum SACHWERTE am 22. September in Frankfurt.
Frau von Nathusius, die Boomer-Generation ist mit Angst vor Arbeitslosigkeit, aber ohne Angst vor Altersarmut ins Berufsleben gezogen. Wie ist das Lebensgefühl bei Berufseinsteigern heute?
Clara von Nathusius: Auf den ersten Blick hat es sich sogar umgedreht. Wer heute startet, hat kaum Angst vor Arbeitslosigkeit, der Arbeitsmarkt sucht uns. Doch das ist nur die Oberfläche. Darunter verschiebt KI den Boden. Erste Studien zeigen es deutlich: In den Berufen, die KI am stärksten trifft, ist die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen schon um rund 13 Prozent gesunken, während ältere Kollegen zulegen. Ausgerechnet die unterste Sprosse der Leiter wird zuerst automatisiert. Meine und nachfolgende Generationen leben deshalb mit einer doppelten Unsicherheit: der Rente und der Arbeit selbst. Daraus folgt eine schlichte ökonomische Wahrheit.
Nämlich?
Von Nathusius: Wenn das Einkommen aus Arbeit unsicherer wird, entscheidet immer mehr, ob man am Produktivkapital beteiligt ist oder nicht. Eigentum wird zur eigentlichen Sicherheit. Der Haken ist, dass ausgerechnet meine Generation dafür den geringsten Spielraum hat, weil Mieten und Lebenshaltung ihn auffressen. Aber ich halte nichts davon, das als Schicksal zu beklagen. Wir sind nicht die verlorene Generation, als die man uns gern beschreibt. Wir sind nüchtern, wir haben die Rechnung verstanden, und wir wollen selbst gestalten. Was wir brauchen, ist kein Mitleid, sondern Zugang zu Eigentum: eine kapitalgedeckte Vorsorge, die diesen Namen verdient, und einen Staat, der Vermögensbildung breit ermöglicht, statt sie zu verwalten. Aus der Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird dann eine echte Chance. Das ist für mich die soziale Frage unserer Zeit, und sie ist lösbar.
Wie informiert sich Ihre Generation über Finanzthemen?
Von Nathusius: Sie informiert sich längst nicht mehr beim Bankberater und nicht in der Zeitung. Meine Generation informiert sich dort, wo sie ohnehin ist: auf dem Handy, in kurzen Videos, auf Tiktok, Instagram und Youtube. Wir vertrauen weniger den Institutionen und mehr den konkreten Menschen, die etwas verständlich erklären. Das hat eine gute und eine gefährliche Seite.
Können Sie das näher ausführen?
Von Nathusius: Gut ist, dass Finanzwissen so niedrigschwellig wird wie nie. Das ist messbar: 2025 waren mit 14,1 Millionen so viele Deutsche am Aktienmarkt wie nie zuvor, getragen von den Jüngeren, die inzwischen die größte Anlegergruppe stellen. Sogar im Vermögensbarometer der Sparkassen halten 35 Prozent der unter 30-Jährigen Wertpapiere, während das klassische Sparbuch an Bedeutung verliert. Gefährlich ist, dass zwischen seriöser Aufklärung und dem nächsten Krypto-Heilsversprechen oft nur ein Wisch mit dem Daumen liegt. Und genau hier liegt Ihre Chance. Wer diese Generation erreichen will, muss dorthin gehen, wo sie ist, und zuerst Orientierung geben. Ehrlich erklären ist dabei kein Gegensatz zum Verkaufen, sondern der modernste Weg dorthin. Wer zuerst erklärt, gewinnt das Vertrauen, und Vertrauen ist die härteste Währung im Vertrieb. Aus dem Berater, der einer verunsicherten Generation die Lage nüchtern erklärt, wird der, dem sie ihr Geld anvertraut. Der reine Hard Seller verliert diese Kunden dagegen, bevor er sein Produkt überhaupt zeigt. Ich erlebe das jeden Tag über meine eigene Reichweite.
Welche Erwartung hat Ihre Generation an die Finanzdienstleistung und die Anlageberatung?
Von Nathusius: Wir erwarten Ehrlichkeit, Transparenz und keinen Verkaufsdruck. Meine Generation riecht sofort, wenn ihr jemand ein Produkt andrehen will, an dem vor allem er selbst verdient. Wir erwarten, dass die Kosten offen auf dem Tisch liegen und dass man uns nicht für dumm verkauft. Gleichzeitig wollen wir es digital, schnell und unkompliziert, weil wir es so gewohnt sind. Der entscheidende Punkt ist aber ein anderer. Anders als oft behauptet, will meine Generation keine Vollkaskomentalität, in der am Ende der Staat alles richtet.
Sondern?
Von Nathusius: Wir haben verstanden, dass genau dieses Versprechen nicht mehr trägt, und wir sind bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen, wenn man uns die Werkzeuge dafür gibt. Genau hier liegt die Aufgabe der Berater. Sie führen einen jungen Menschen vom reinen Absicherungsdenken zum Eigentümerdenken. Denn Eigentum ist mehr als Rendite, es ist die Grundlage von Unabhängigkeit und Freiheit. Wer uns dabei ernst nimmt, ehrlich berät und langfristig denkt, gewinnt uns nicht für ein Produkt, sondern für Jahrzehnte. Das ist die eigentliche Chance im Saal. Genau darüber will ich in Frankfurt sprechen, denn Sachwerte sind auf diese Erwartung oft die ehrlichste Antwort.
Vielen Dank für das Gespräch. (tw)













