Die Daten sprechen für sich. Die Zahl der Riester-Verträge ist 2018 in Summe zum ersten Mal rückläufig gewesen. Für einen generellen Abgesang ist es aber dennoch zu früh, findet das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA). Um den Niedergang zu stoppen und die staatlich geförderte Vorsorgevariante zu reanimieren, haben die DIA-Experten mit Unterstützung des Beratungsinstitut Empirica eine Reihe von Verbesserungsvorschläge gemacht. 

So soll die Rente auf alle unbeschränkt Steuerpflichtigen ausgeweitet und die Kinderzulage für die geförderte Altersvorsorge an das Kindesalter gekoppelt werden – anstelle der Zahlung eines Kindergeldes. Wegen der später häufig erfolgenden Rückforderungen der gewährten Zulagen plädiert das DIA dafür, diese bereits vor der Auszahlung zu prüfen. "Die dadurch entstehenden Zinsverluste fallen angesichts der gegenwärtigen Niedrigzinsen ohnehin kaum ins Gewicht", argumentiert Rainer Braun, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Empirica. Außerdem müsse im Zeitalter der Digitalisierung eine erhebliche Beschleunigung des Zulagenverfahrens auf nur wenige Monate möglich sein.

Dynamischer Deckel
Weiterer Vorschlag: Die Obergrenze für den förderfähigen Beitrag sollte auf vier Prozent der jeweils geltenden Beitragsbemessungsgrenze dynamisiert werden, um die Schließung der Rentenlücke wieder zu ermöglichen. Denn der Höchstbetrag ist seit Einführung der Riester-Rente eingefroren geblieben. "Das führt sowohl real als auch in Relation zur Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung zu einer Entwertung", so Braun. In der Folge stießen immer mehr Sparer an den "Riester-Deckel" und könnten dadurch ihre Rentenlücke nicht effektiv schließen.

Über die Dynamisierung der Fördergrenze hinaus sollten Überzahlungen möglichst wie geförderte Vermögen behandelt werden. So könnte bei Brüchen in der Erwerbsbiografie oder schwankenden Einkommen besser "nachgespart" werden. Alle Einzahlungen von Geringverdienern wären "Hartz-IV-sicher", und die Anbieter könnten eine doppelte Kontenführung vermeiden. Grundsätzlich sprechen sich die Studienautoren dafür aus, einen großen Wurf bei der Vereinfachung der Fördersystematik zu unternehmen statt vieler kleiner jährlicher Anpassungen.

Wahlfreiheit bei Beitragsgarantie
Als grundsätzliche Veränderung schlägt das DIA-Papier eine Wahlfreiheit bei der nominalen Beitragsgarantie der Riester-Rente vor. "Die zu erwartenden Erträge leiden derzeit erheblich unter den Niedrigzinsen. Die Absicherungskosten für die Bruttobeitragsgarantie sind hoch, und die Netto-Sparleistungen dadurch niedrig", präzisiert Braun.

Im Übrigen würden nominale Garantien ohnehin durch die Inflation entwertet. Bei langfristiger Anlage sei eine Risikostreuung wichtiger als Garantien. Die DIA-Fachleute schlagen daher zwar als Standardvorgabe eine 100-Prozent-Beitragsgarantie vor, von der aber abgewichen werden kann, zum Beispiel in vorgeschlagenen Stufen von 80, 60 Prozent oder sogar 100 Prozent. (jb)