Der Krieg in der Ukraine und die Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland belasten die Wirtschaft und damit die Finanzmärkte. Besonders stark betroffen sind Anleger mit Fonds, die einen hohen Anteil russischer Aktien und Anleihen halten: Weil der Kreml Ausländern den Kauf und Verkauf von russischen Wertpapieren verboten hat und so der Nettoinventarwert der Sondervermögen nicht berechnet werden kann, haben einige Anbieter den Handel mit entsprechenden Fonds eingestellt oder eingeschränkt – und zahlen Vermittlern auch keine Bestandsprovision mehr.

Seit Kriegsbeginn haben Vermögensverwalter mindestens 40 aktiv gemanagte Fonds und ETFs mit 91 Anteilsklassen vom Handel ausgeschlossen, die für den freien Vertrieb über Berater zugänglich sind. Das geht aus Unterlagen verschiedener Depotbanken hervor, die FONDS professionell ONLINE vorliegen. Für mindestens 27 Fonds mit 60 Anteilsklassen zahlen die Kapitalverwaltungsgesellschaften derzeit keine Bestandsprovisionen oder teilten mit, dass diese später nachgereicht werden. 

Fonds großer und kleiner Anbieter betroffen
Unter den Fonds mit Russland-Fokus, die im Moment keine Bestandsprovision zahlen, sind Produkte großer Gesellschaften wie Allianz Global Investors, Amundi, Blackrock, DWS, Franklin Templeton, J.P. Morgan Asset Management oder Schroders. Betroffen sind aber auch Fonds von Boutiquen wie der auf Malta ansässigen und auf Osteuropa spezialisierten Mori Capital (Mori Ottoman Fund und Mori Eastern European Fund) oder der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltungsgesellschaft: Der Nestor Osteuropa Fonds hat den Angaben von Depotbanken zufolge aktuell die Zahlung von Bestandsprovisionen eingestellt.

Ein paar wenige Anbieter zahlen aber trotz Handelsaussetzung der Fonds weiter Vergütungen. Zu diesen gehört unter anderem die Erste Asset Management aus Österreich. Auch Deka und Union Investment schütten nach wie vor Provisionen aus.

Manche Fonds wurden schon liquidiert
Einige Asset Manager gingen noch einen Schritt weiter und wickelten ihre Russland-Fonds bereits ab. Dazu gehört der Metzler Eastern Europe, der vor einigen Wochen in die Liquidation geschickt wurde (FONDS professionell ONLINE berichtete). "Die Verwaltungsratsmitglieder sind der Ansicht, dass die Situation in Osteuropa erhebliche negative Auswirkungen auf den Fonds hat und künftig auch weiterhin haben dürfte", teilte die irische Kapitalverwaltungsgesellschaft Metzler International Investments mit, die mittlerweile zu Universal-Investment gehört, Anfang April mit. Blackrock löste kürzlich den iShares MSCI Eastern Europe Capped ETF mit rund 108 Millionen Euro Volumen sowie den iShares MSCI Russia ADR/GDR ETF mit nur noch rund drei Millionen Euro Volumen auf. (jb)