Die Ergo Versicherung hat ihrer Mutter Munich Re bislang nicht viel Freude bereitet, sondern deren Gewinnhoffnungen einen ordentlichen Dämpfer versetzt. Der in Düsseldorf ansässige Versicherer hat daher nun die Strategie vorgestellt, mit der er das Ruder bis 2020 herumreißen möchte.

Dabei sollen unter dem Strich rund 1.800 Stellen wegfallen, insbesondere im hauseigenen Vertrieb. Zudem soll die Digitalisierung beschleunigt werden, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Hoffnungen setzt der Versicherer auch drauf, dass im Lebensgeschäft der Fokus künftig ausschließlich auf Produkten mit alternativen Garantien liegen wird.

"Wir werden uns kompromisslos am Kunden orientieren. Dafür müssen wir schlanker, effizienter und digital werden. So schaffen wir den Wandel des Geschäftsmodells Versicherung", sagte Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Ergo Group AG und Vorstandsmitglied von Munich Re. Dafür nimmt der Versicherer eine Milliarde Euro für Investitionen in die Hand, wofür er sich dann jährliche Einsparungen in Höhe von rund 540 Millionen Euro erhofft – und ab 2021 einen Überschuss von 500 Millionen Euro pro Jahr.

2.400 Jobs fallen weg
Die Ergo möchte vor allem ihren Agenturvertrieb verschlanken. Dazu werden Geschäftsstellen zusammengelegt, was zur Folge haben wird, dass vor allem dort in den kommenden vier Jahren 2.400 der aktuell bundesweit 14.300 Arbeitsplätze im Konzern gestrichen werden. Auf der anderen Seite sollen 565 Jobs an anderer Stelle geschaffen werden.

"Vertrieb stärken heißt auch, Vertrieb wettbewerbsfähiger zu machen. Wir leisten uns heute mehrere Vertriebsorganisationen und in der gesamten Verwaltung aufwendige Prozesse. Das erhöht die Verwaltungskosten. Sie liegen bei Ergo noch deutlich über dem Marktdurchschnitt", betont Rieß. Die Kooperation mit Maklern werde dagegen nicht eingestellt, sondern im Gegenteil durch eine verbesserte Betreuung sogar noch ausgebaut.

Die angesprochene Digitalisierung soll insbesondere im Vertrieb greifen. Der Konzern entwickelt daher für die sogenannten hybriden Kunden, die sowohl persönlich als auch online beraten werden möchten, passende Angebote. Für Kunden, die sich mit ihrer Versicherung ausschließlich online beschäftigen, startet Ergo ab 2017 zudem einen reinen Digitalanbieter, als eigenständiges Unternehmen unter eigener Marke. Dessen erstes Produkt wird eine Kfz-Versicherung sein.

"Aus" für klassische Lebenspolicen
Als weitere Maßnahme wird der Versicherer künftig den Vertrieb von klassischen Lebenspolicen einstellen. Im Neugeschäft sollen nur noch "nicht-traditionelle kapitalmarktorientierte Produkte und Biometrieangebote" über die Ergo Vorsorge angeboten werden. Darüber hinaus wird die Bearbeitung des Bestands in der klassischen Lebensversicherung vom vertrieblichen Neugeschäft getrennt. Zudem soll das Fondsgeschäft forciert werden, weshalb sich der Versicherer stärker mit der MEAG, dem Asset Manager von Munich Re und Ergo, verzahnen möchte. (jb)