Die Altersvorsorgereform mit dem ab 2027 abschließbaren Altersvorsorgedepot droht viele Menschen nicht zu erreichen. Ein Drittel der Deutschen kennt die aktuellen Reformpläne nämlich nicht. Und selbst unter den Informierten bewertet eine klare Mehrheit (65%) ihr Wissen zu Inhalten und Auswirkungen als schlecht oder sehr schlecht. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Studie der Barmenia Gothaer, für die der Versicherer im Mai 1.002 Verbraucher ab 18 Jahren telefonisch befragen ließ.

Besonders ausgeprägt ist die Wissenslücke bei jungen Erwachsenen. "Über die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen haben noch nie etwas von der Altersvorsorgereform und den daraus resultierenden neuen Produkten gehört. Das zeigt, dass die zentralen Zielgruppen – bei denen frühzeitige Weichenstellungen für ihre Altersvorsorge entscheidend sind – bisher nicht ausreichend erreicht wurden", lässt sich Alina vom Bruck, Vorständin der Lebensversicherung bei der Barmenia Gothaer, in einer Mitteilung zitieren. Insgesamt geben 67 Prozent der Befragten an, die Reform zumindest wahrgenommen zu haben. Die Studie zeigt damit auch: Mit zunehmendem Alter steigt die Bekanntheit der Reform.

Quelle: Barmenia Gothaer

Gehört ja, verstanden nein – Mehrheit fühlt sich unzureichend informiert
Der Informationsstand zur Altersvorsorgereform ist insgesamt niedrig: Rund zwei Drittel (65%) der Befragten, die bereits von der Reform gehört haben, fühlen sich eher schlecht oder sehr schlecht über Inhalte und Auswirkungen informiert. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 57 Prozent der Männer, aber 72 Prozent der Frauen bewerten ihren Informationsstand als eher oder sehr schlecht.

Quelle: Barmenia Gothaer

Unabhängig davon, ob die Befragten die Reform überhaupt wahrgenommen haben, sind die Erwartungen an die Produkte überwiegend von Skepsis geprägt: 67 Prozent erwarten komplexe oder sehr komplexe Produkte. Nur 21 Prozent rechnen mit einfachen Lösungen. "Wenn eine klare Mehrheit bereits vor Einführung der Produkte von hoher Komplexität ausgeht, zeigt das, wie groß der Bedarf an verständlicher Beratung und einfacher Strukturierung sein wird", kommentiert vom Bruck.

Junge sehen Beratungsbedarf
Auf den ersten Blick scheint indes der Bedarf an Beratung begrenzt, so der Versicherer weiter: 69 Prozent der Befragten erwarten eher keinen oder nur geringen Unterstützungsbedarf. Ein differenzierter Blick zeigt jedoch deutliche Altersunterschiede: Unter den 18- bis 29-Jährigen sieht jede zweite Person einen hohen oder sehr hohen Beratungsbedarf. In den älteren Gruppen nimmt dieser Anteil kontinuierlich ab (30 bis 44 Jahre: 38%, 45 bis 59 Jahre: 31%, über 60 Jahre: 16%). (fp)