Sparbücher und andere Zinsanlagen werfen schon lange kaum noch etwas ab. Durch die steigende Inflation bekommt die Lage aktuell aber eine ganz eigene Dramatik. "Die derzeitigen Realzinsen liegen in der Nähe der Tiefststände während der Ölkrise in den 1970er Jahren und haben damit eine neue Qualität erreicht", sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer von Quant Capital Management. "Diese Phase könnte noch einige Monate anhalten", prophezeit er.

In den USA haben die Verbraucherpreise zuletzt um rund fünf Prozent zugelegt, in Deutschland um 2,5 Prozent. "In Verbindung mit den niedrigen Zinsen führt das zu historisch niedrigen Realzinsen für Sparer", sagt Mlinaric.

Quelle: Quant Capital Management

Momentan machen Sparer im Schnitt 2,4 Prozent Verlust mit ihren Einlagen. Damit sind die Zinsen nach Abzug der Inflation nicht mehr weit entfernt von jenen im Jahr 1973: Damals lag die Realverzinsung bei zirka minus 2,7 Prozent. Insbesondere die explodierenden Ölpreise hatten die Teuerung damals massiv in die Höhe getrieben. Wohlgemerkt: Negative Realzinsen sind an sich nichts Ungewöhnliches, sondern nüchtern betrachtet sogar Normalität, wie obige Grafik zeigt. Zwar bekamen Sparer in früheren Jahren höhere Nominalzinsen – auch die Geldentwertung war aber deutlicher spürbar als heute. "Der Mittelwert des Realzinses seit 1967 liegt bei minus 0,1 Prozent", sagt Mlinaric.

Einzigartig ungünstige Kombination
Neu ist, dass der Rückgang der Realzinsen diesmal besonders rasant vonstattenging. Zu Jahresbeginn hatten die Zinsen dank extrem niedriger Inflation sogar kurzzeitig wieder im positiven Bereich gelegen. Davon kann nun keine Rede mehr sein. "Der anschließende Rückgang war sehr steil", sagt der Anlageexperte von Quant Capital Management. Selten zuvor seien die Konsumentenpreise so schnell gestiegen, nie zuvor hätten die Nominalzinsen zugleich so tief gelegen. "Sonst ging eine Zunahme der Inflationsraten auch immer mit Gegenbewegungen der Notenbanken einher, die die Leitzinsen anhoben", erklärt Mlinaric. Das ist diesmal nicht der Fall. Die Belastung für Sparer hält voraussichtlich erst einmal an. (fp)