Als der weltweite Coronavirus-Ausbruch im März die Aktienkurse auf Talfahrt schickte, blieben vermögende Anleger bemerkenswert kaltblütig. Nur wenige tätigten Panikverkäufe, viele gingen während des Corona-Schocks an den Märkten sogar auf Schnäppchenjagd. Das zeigt eine Studie im Auftrag der Liechtensteiner Privatbank LGT, über die die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. "Die meisten Investoren haben besonnen auf den Kurssturz reagiert", bestätigt Teodoro Cocca, Professor an der Johannes-Keppler-Universität in Linz und Leiter der Studie.

Die Studienautoren haben 127 Investoren aus der Schweiz befragt, die über freies Kapital in Höhe von jeweils mehr als 900.000 Franken (856.000 Euro) verfügen. "Nur wenige der Anleger sind in die Falle getappt, bei tiefen Kursen zu verkaufen", berichtet Cocca. Gerade einmal fünf Prozent der Befragten haben zwischen Mitte Februar und Ende April ausschließlich Verkäufe getätigt. Knapp ein Viertel nutzte die gefallenen Kurse dagegen für Zukäufe. Die Mehrheit hat ihr Portfolio im Beobachtungszeitraum gar nicht angerührt – was allerdings nicht nur auf eine gesunde Gelassenheit zurückzuführen war, sondern auch auf die Rasanz des Kurssturzes, die kaum Zeit zum Reagieren ließ.

Bankberater waren zu langsam
Vermögende Investoren blieben nicht nur während der ersten Schockwelle der Pandemie erstaunlich ruhig, sondern blicken auch mit bemerkenswertem Optimismus in die Zukunft. "Insgesamt deuten die Umfrageergebnisse darauf hin, dass die Anleger den Mut nicht verloren haben", sagt Cocca. "Sie gehen überwiegend davon aus, dass die Aktienmärkte trotz der globalen Krise nicht kollabieren werden." Als Indiz nennt der Wissenschaftler die Tatsache, dass sich die meisten Studienteilnehmer nicht mit Derivaten gegen weitere Kursrückschläge gewappnet haben.

Die Studienteilnehmer sind allerdings nicht rundum zufrieden. Kritik übten sie an Banken und Bankberatern: "Ein großer Teil der Kunden fühlte sich alleingelassen und ist entsprechend unzufrieden", sagt Cocca. Viele Investoren monierten, dass es zu lange gedauert habe, bis ihre Berater auf den Kurssturz reagierten und sich bei ihnen meldeten. Vor allem bei jungen vermögenden Anlegern haben klassische Privatbanken während des Corona-Schocks an Attraktivität eingebüßt. Die Investoren könnten zu dem Schluss gekommen sein, dass sie bei einer günstigen Online-Bank letztlich besser aufgehoben sind, so Cocca. (fp)