Die wirtschaftliche Krise in Deutschland geht an der gesetzlichen Rentenkasse offenbar fast spurlos vorbei. Für das laufende Jahr erwartet die Deutsche Rentenversicherung einen Jahresüberschuss von 2,1 Milliarden Euro, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Angaben der Versicherungsanstalt berichtet. Im Frühjahr hatte diese noch mit einem Defizit von 6,6 Milliarden Euro in diesem Jahr kalkuliert. Zugleich wachse die Finanzreserve der Rentenkasse, die Nachhaltigkeitsrücklage, voraussichtlich auf den neuen Rekordstand von 41,7 Milliarden Euro.

Damit habe sich auch der Ausblick auf die kommenden Jahre unerwartet kräftig aufgehellt. So rechnen die Experten mit einer Anhebung des Beitragssatzes für Arbeitnehmer und Arbeitgeber – derzeit 18,6 Prozent des Bruttolohns – erst für 2027. Das ist der "FAZ" zufolge umso bemerkenswerter, als selbst ältere Vorausberechnungen aus der Zeit vor der Corona-Pandemie zu dem Ergebnis gekommen waren, dass die Rentenkasse spätestens 2023 oder 2024 leerlaufen und daher einen höheren Beitragssatz benötigen würde.

Positive Entwicklung am Arbeitsmarkt
Der Hauptgrund für die guten Zahlen ist die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt: Die Zahl der beitragspflichtigen Arbeitsverhältnisse hat sich besser entwickelt als erwartet. Zudem treibt die Inflation die Löhne nach oben, was über höhere Beitragszahlungen mehr Geld in die Rentenkasse spült. Beides zusammen dürfte der Versicherungsanstalt dieses Jahr allein 12,6 Milliarden Euro mehr an Pflichtbeiträgen einbringen als 2021.

Allerdings bleibt es beim sich weiter beschleunigenden Anstieg der Rentenausgaben. In diesem Jahr erwartet die Deutsche Rentenversicherung einen Anstieg um 4,2 Prozent auf 308 Milliarden Euro. Und mit dem bevorstehenden Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge steigen immer mehr Beitragszahler altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus – und werden dann selbst Rente beziehen.

So könnten die Renten 2023 steigen
Der Entwurf zum Rentenversicherungsbericht gibt daneben erste Hinweise, wie die nächsten Rentenerhöhungen ausfallen könnten. Zum 1. Juli 2023 ist nach derzeitigem Datenstand eine Anhebung um 3,5 Prozent im Westen und um 4,2 Prozent im Osten zu erwarten, schreibt die "FAZ". Diese Zahlen seien kürzlich schon aus dem Ministerium gesickert. Da die Daten für die endgültige Berechnung aber wie üblich erst im März vorliegen werden, handelt es sich nur um grobe Richtwerte. Für den Zeitraum bis 2036 geht der Entwurf von einem Anstieg der gesetzlichen Renten um insgesamt 43 Prozent oder durchschnittlich 2,6 Prozent je Jahr aus. (jb)