Nur noch 13 Prozent der deutschen Bankkunden erledigen ihre Finanzgeschäfte ausschließlich in der Filiale. Dies ergibt die aktuelle Retail-Banking-Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG). 50 Prozent nutzen demnach ausschließlich digitale Kanäle – Tendenz steigend. Immerhin 37 Prozent greifen auf beide Wege zurück (siehe Grafik). BCG hat für die Untersuchung weltweit 42.000 Privatkunden befragt.

Die meisten Banken hätten auf diese Entwicklung reagiert und ihre digitalen Angebote optimiert, berichten die BCG-Experten. Viele Institute schöpfen aber das Potenzial der Digitalisierung bei weitem noch nicht aus. Europaweit werden schon rund 45 Prozent der Konten bei führenden Banken digital eröffnet. Insbesondere Deutschland hinkt hier aber noch hinterher.

"Jedes Finanzinstitut steht regional vor anderen Herausforderungen und muss für seinen Markt individuelle Geschäftsmodelle mit attraktiven Angeboten entwickeln", erläutert Holger Sachse, Partner und BCG-Experte für Retail- Banking und Financial Services. "Abwarten ist keine Option. Gerade in entwickelten Ländern müssen Retail-Banken jetzt handeln und massiv in den Ausbau von intelligenten Mensch-Maschine-Interaktionen investieren." Durch neue Technologien könnten die Geldhäuser ihre Erträge in den kommenden drei Jahren um bis zu 30 Prozent steigern.

Privatkunden bleiben wichtige Stütze
Das Privatkundengeschäft bleibt ein wichtiger Umsatzbringer für die Geldhäuser. Rund 45 Prozent des Umsatzes des globalen Bankgeschäfts werden dort erwirtschaftet. Der BCG-Analyse zufolge erhöhte sich der Umsatz des Retail-Banking zwischen 2016 und 2020 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 4,6 Prozent. Das sind fast zwei Prozentpunkte mehr als vor der Finanzkrise.

Stark wachsen die Retail-Institute vor allem im Nahen Osten, Afrika und Lateinamerika mit Wachstumsraten bis zu zehn Prozent. Dagegen liegen die Wachstumsraten von Nordamerika und Westeuropa in demselben Zeitraum bei nur etwa 2,5 Prozent. (ert)