Retailbanking-Kenner: "Der deutsche Markt ist nach wie vor attraktiv"
Der deutsche Bankenmarkt ist heiß umkämpft, neue Akteure wie die spanische BBVA oder JP Morgan kommen hinzu. Daneben buhlen Neobanken um Kunden. Und es werden weitere neue Spieler das Feld betreten, meint Bankenexperte Thomas Walkner von Capco.
Der deutsche Bankenmarkt gilt gemeinhin als gut besetzt. Die Konkurrenz ist groß. Dennoch wagen sich Akteure wie die US-Großbank JP Morgan oder die spanische BBVA auf den Markt. Daneben buhlen Neobanken um Kunden. Zudem rechnet Thomas Walkner, Bankenexperte der Beratungsgesellschaft Capco, mit weiteren Markteintritten, "sowohl von neuen heimischen Akteuren wie von ausländischen Instituten".
"Der deutsche Markt ist nach wie vor attraktiv", erläutert Walkner im Gespräch mit FONDS professionell. "Als wohlhabendes Land lässt sich hier etwas mehr Ertrag einfahren als in anderen Ländern." Nahezu jede Phase im deutschen Retailbanking habe ihre Chancen und Möglichkeiten geboten, erinnert der Marktkenner. "Immer wieder versuchten neue Akteure, sich zu etablieren. Einige waren damit auch erfolgreich."
"Schaden fällt eher gering aus"
Als einen Grund für die aktuellen Neueintritte in den Markt verweist der Capco-Berater auf die Digitalisierung. "Die fortgeschrittene Technik vereinfacht den Marktzugang ungemein", so Walkner. Institute seien heutzutage viel flexibler, wenn sie einfach eine Digitalbank starten. "Der Aufwand ist deutlich geringer, als ein Filialgeschäft aufzubauen, wie es früher nötig war." So sei auch ein Vorteil mancher ausländischer Institute, dass sie bereits in ihrem Heimatmarkt eine Digitalbank aufgebaut haben und diese Strukturen nun in anderen Ländern ausrollen können.
"Gewisse Anpassungen an lokale Gegebenheiten, wie die Regulatorik oder Steuertransparenz, sind natürlich notwendig", räumt Walkner ein. Aber mit einem Digitalkonzept lasse sich eine internationale Expansion relativ einfach vorantreiben. "Wenn das Geschäft in einem Land partout nicht anläuft, dann kann das Institut den Ableger im schlimmsten Fall schließen", führt der Bankenexperte aus. "Der Schaden fällt eher gering aus."
"Neue Komponenten angeflanscht"
Eine Voraussetzung für eine neue Bank oder einen Auslandsableger sei eine funktionierende IT, die sich in verschiedene Richtungen erweitern lasse. "Wenn etwa das Anfangsgeschäft mit Konto und Karte gut läuft, dann ließen sich Versicherungen oder Wertpapiere ergänzen", erläutert Walkner. "Dies sollte eine Banking-Plattform leisten können, bei der sich Module hinzuschalten lassen."
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Ein Vorstoß in neue Märkte fällt mit einem modernen IT-System leichter als mit älteren Modellen, "die immer wieder aktualisiert und an die neuen Komponenten angeflanscht werden müssen", erläutert der Capco-Berater. "Das verursacht Zusatzkosten." Der Wechsel eines Kernbankensystems sei wiederum nicht trivial. "Dabei handelt es sich um Großprojekte, die mit Risiken verbunden sind." Zudem stünden Archivdaten im Hintergrund. "Banken sind verpflichtet, manche Dokumente über Jahre aufzubewahren, etwa für das Finanzamt oder gar für die Ermittlungsbehörden", so Walkner.
"Vernünftiges Geschäftsmodell"
"Ein vernünftiges Geschäftsmodell sollte hinter einem Markteintritt stehen", betont der Marktkenner. Idealerweise würden mit eingesammelten Einlagen auch Kredite vergeben. "Eine weitere Bank, die allein auf Tagesgeld-Zinshopping-Kunden zielt, wird langfristig keinen Erfolg erzielen", meint Walkner. "Je mehr Wettbewerb herrscht, desto mehr Druck entsteht bei den Konditionen und die Verdrängung nimmt zu." (ert)













