In seinen Büchern hat sich der US-amerikanische Autor Martin Ford mit den Entwicklungen in der Robotik und der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie deren Einfluss auf Gesellschaft und Wirtschaft auseinandergesetzt. Nun berät er Lyxor, die Fondstochter der Société Générale, bei der Auswahl der Titel für den neuen Robotics- und KI-ETF. FONDS professionell ONLINE traf ihn zum Interview.


Herr Ford, in Ihrem Buch "Rise of Robots" haben Sie sehr kritisch auf die Gefahren hingewiesen, die Robotik und Künstliche Intelligenz für die Menschheit mit sich bringen. Nun haben Sie Lyxor bei der Titelauswahl für einen ETF unterstützt, mit dem Anleger genau in diese Bereiche investieren können. Wie passt das zusammen?

Martin Ford: Natürlich bergen gerade die Entwicklungen auf dem Gebiet der KI Risiken. Eines davon ist Massenarbeitslosigkeit. Man muss ja ­sehen, dass heute Maschinen entstehen, die dem menschlichen Gehirn immer ähnlicher werden. Vielleicht die Hälfte aller Jobs in der Wirtschaft basieren auf Routine, die Tätigkeiten sind vorhersagbar. Solche Tätigkeiten können lernende Maschinen übernehmen. Das gilt keineswegs nur für Berufe in der Produktion, sondern ebenso für solche im Handel oder im Dienstleistungssektor. Dann besteht die Gefahr der Massenüberwachung, etwa durch Kameras mit Gesichtserkennung. Für solche Risiken müssen wir auf politischer Ebene Lösungen finden. So könnte etwa das bislang umstrittene bedingungslose Grundeinkommen etwas sein, um weiterhin Konsum zu ermöglichen. Andererseits eröffnen Robotik und KI natürlich auch unglaubliche Chancen.

In welchen Branchen sehen Sie diese hauptsächlich?

Ford: In allen Branchen. Ich vergleiche Künstliche Intelligenz mit Elektrizität. Wie Strom wird sie eines Tages praktisch überall anzutreffen sein – in allen Bereichen des Lebens.

Das klingt tatsächlich, als böten sich hier neue Chancen für Anleger.

Ford: Ja, absolut. Und diese Chancen bieten sich nicht nur in den nächsten Jahren, sondern über Jahrzehnte hinweg. Ich denke, Robotik und Künstliche Intelligenz sind die stärksten Kräfte, die unsere Zukunft prägen werden. Wir stehen erst am Anfang dieser techno­logischen Entwicklungen, daher ist es für ­Anleger ein sehr guter Zeitpunkt, jetzt einzusteigen. Meiner Ansicht nach ist es dabei aber entscheidend, einen breiten Investmentansatz zu haben.

Wie viele Titel finden sich denn in dem ETF von Lyxor?

Ford: Der "The Rise of Robots"-Index, den unser ETF nachbildet, besteht aus 150 Titeln. Nach Kriterien wie Investitionen in Forschung und Entwicklung, Gesamtkapitalrendite sowie Dreijahresumsatzwachstum hat sie ein Algorithmus aus einem Universum von 210 Aktien ausgewählt. Bei der Zusammenstellung des Universums habe ich versucht, meine Sicht auf die Bereiche Robotik und KI umzusetzen. Wir fokussieren uns daher nicht nur auf Roboterhersteller, sondern setzen auch auf Aktien von Unternehmen aus vielen anderen Branchen, die Künstliche Intelligenz erfolgreich einsetzen. So haben wir auch Firmen aus dem Finanzsektor wie J.P. Morgan, Goldman Sachs und Blackrock dabei. Unsere Top-Position ist Facebook. Es wäre verrückt, wenn ein KI-Fonds solche Unternehmen ­unberücksichtigt ließe. Wir sind wie gesagt wirklich sehr breit diversifiziert, allein 64 der 210 Titel sind in keinem anderen Robotik- oder KI-ETF zu finden.

Der ETF ist seit dem 18. September auf dem Markt. Ist Ihre Zusammenarbeit mit Lyxor damit beendet?

Ford: Wir überarbeiten das Universum von Titeln einmal pro Jahr. In jedem Quartal wählt der Algorithmus Aktien aus und setzt den Index neu zusammen. Da bin ich bei der Qualitätskontrolle zusammen mit dem Researchteam der Société Générale dabei.

Kommen wir zum Schluss noch einmal auf Ihr Buch zurück. Es geht um den "Aufstieg der Roboter". In vielen Science-Fiction-Filmen ist sozusagen ein Aufstand der Roboter das Thema, Roboter übernehmen die Macht über Menschen. Ist so etwas denkbar?

Ford: Je autonomer Systeme werden, desto leichter können sie gehackt oder angegriffen werden. Das ist ein großes Problem. Oder denken Sie an autonome Waffen. Diese sind sehr gefährlich und gehören ganz und gar nicht in den Science-Fiction-Bereich. Maschinen, die selbsttätig töten können – das ist furchteinflößend. Daher wird bei den Vereinten Nationen auch darüber diskutiert, solche Waffen zu verbieten. Was man so in Filmen sieht, zum Beispiel smarte Computer, die wie Menschen agieren – nein, das ist keine lächerliche Vorstellung. Aber ich denke, davon sind wir noch sehr weit entfernt.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Artikel über Robotik- und KI-Fonds lesen Sie in der kommenden Heftausgabe 4/2018 von FONDS professionell, die Ende November erscheint.