Weltweit strukturieren Investoren ihre Portfolios um, da geopolitische Unsicherheit und Marktkonzentration zu einer Neubewertung der traditionellen Asset-Allokation führen und wieder verstärkt aktives Management erfordern. Zu diesem Ergebnis kommt die am Mittwoch (17.6.) veröffentlichte Umfrage von Schroders, "Global Investor Insights Survey 2026" (GIIS). Die Ergebnisse – basierend auf der Befragung von weltweit mehr als 1.000 institutionellen Investoren, Vermögensverwaltern und anderen Intermediären mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 72 Billionen US-Dollar – zeigen, dass 85 Prozent der Anleger weltweit im kommenden Jahr eine höhere Marktvolatilität erwarten. Der Anteil unter den deutschen Befragten ist mit 77 Prozent ähnlich hoch. Sie richten ihre Portfolios nun stärker auf Resilienz und Diversifikation aus.

Diversifikation (84 Prozent) und der Schutz gegen Kursverluste/Kapitalerhalt (83 Prozent) kristallisierten sich daher als die wichtigsten Prioritäten für die Portfoliosteuerung heraus, während fast die Hälfte der Investoren (47 Prozent) angab, die geografische Diversifikation außerhalb der USA zu erhöhen. Unter den deutschen Befragten wurden Diversifikation und Kapitalerhalt gleichermaßen priorisiert (jeweils 81 Prozent), während ein höherer Anteil als im globalen Durchschnitt, nämlich 58 Prozent, angab, die geografische Diversifikation außerhalb der USA auszubauen. 

Prioritäten nicht immer gleich verteilt
Die Umfrage, die nach dem Ausbruch des Krieges im Iran Anfang 2026 durchgeführt wurde, ergab zudem, dass der Konflikt im Nahen Osten (69 Prozent) sowie die Unsicherheit bezüglich der US-Außenpolitik und der globalen Führungsrolle (67 Prozent) die größten geopolitischen Sorgen der Anleger sind. Rohstoff- und Energiepreisschocks (53 Prozent), eine weitere geopolitische Eskalation (52 Prozent) sowie ein wirtschaftlicher Abschwung oder eine Rezession (50 Prozent) gelten als jene Ereignisse, die Portfolios im kommenden Jahr womöglich am stärksten beeinflussen. Die deutschen Befragten zeigen eine ähnliche Besorgnis über den Konflikt im Nahen Osten (70 Prozent), während die Unsicherheit über die US-Außenpolitik und die globale Führungsrolle in Deutschland mit 84 Prozent die höchste Bedeutung aller genannten geopolitischen Risiken hat.

Johanna Kyrklund, Group Chief Investment Officer bei Schroders, bringt es auf den Punkt: "In den letzten Jahren haben wir uns von einer globalisierten Welt, die anfällig für deflationäre Schocks war, hin zu einer geopolitisch fragmentierten Welt entwickelt, in der die Umstrukturierung von Lieferketten zu inflationären Schocks beitragen kann." Die Fähigkeit, selektiv vorzugehen, Risiken zu managen und dynamisch auf sich schnell verändernde Marktbedingungen zu reagieren, sei ein entscheidender Vorteil von aktivem Management, um durch dieses unruhigere Fahrwasser zu navigieren.

Konzentrationsrisiken reduzieren
Angesichts des zunehmend unsicheren Marktumfelds seien Investoren fest von der Rolle des aktiven Managements überzeugt, schließen die Schroders-Experten aus den Ergebnissen der Umfrage: 85 Prozent der Anleger sind demnach zuversichtlich, dass aktives Management in den nächsten zwölf bis 18 Monaten dabei helfen kann, ihre Anlageziele zu erreichen, etwa um Outperformance-Chancen zu nutzen, flexibel auf Unsicherheiten zu reagieren und Konzentrationsrisiken an den Aktienmärkten zu steuern. Mehr als ein Drittel der Investoren (38 Prozent) gab an, die Allokationen in aktives Management gezielt zu erhöhen, um ihr Konzentrationsrisiko durch Indexanlagen zu reduzieren.

Deutsche Investoren teilen diese Überzeugung: 84 Prozent vertrauen laut der Befragung auf die Fähigkeit des aktiven Managements, ihre Ziele zu erfüllen. Ein etwas höherer Anteil als im globalen Durchschnitt – 42 Prozent – will die Allokationen in aktiv gemanagten Strategien gezielt erhöhen, um das Konzentrationsrisiko zu mindern. Aus Sicht von Alexander Prawitz, Country Head Germany, Austria, CEE & Mediterranean, zeichnet die diesjährige Umfrage ein klares Bild für Deutschland: "Investoren navigieren durch eine erhöhte geopolitische Unsicherheit mit einem geschärften Fokus auf Portfolioresilienz und setzen vermehrt auf aktives Management. Dabei setzen 67 Prozent der deutschen Investoren Public und Private Equity in ihren Portfolien ein, was weit über dem globalen Durchschnitt liegt."

Total-Portfolio-Ansatz bricht sich Bahn
Die Umfrage deutet zudem darauf hin, dass Investoren bei ihren Investitionen in Unternehmensbeteiligungen inzwischen einen ganzheitlicheren Ansatz über börsennotierte und private Märkte hinweg verfolgen. Die Hälfte der Anleger (50 Prozent) gab an, dass sie Investmentchancen in Public und Private Equity nun gemeinsam bewerten anstatt über getrennte Allokationsrahmen. In Deutschland ist dieser ganzheitliche Ansatz sogar schon deutlich weiter verbreitet: 67 Prozent der deutschen Investoren bewerten Public- und Private- Equity-Chancen mittlerweile gemeinsam in einem kombinierten Rahmen. Das liegt weit über dem weltweiten Durchschnitt von 50 Prozent. (hh)