Seit der Finanzkrise hat die Zahl der Wertpapierdepots in Deutschland drastisch abgenommen. Zahlen der Bundesbank zufolge ist zwischen Ende 2008 und 2017 mehr als jedes fünfte Wertpapierdepot verschwunden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Ende vergangenen Jahres gab es in Deutschland noch 22,6 Millionen Depots. Das waren 6,2 Millionen oder 21,5 Prozent weniger als neun Jahre zuvor. Auf den ersten Blick gibt die Entwicklung Rätsel auf, denn zugleich haben die großen Aktienindizes kräftig zugelegt, das Volumen der verbliebenen Depots ist entsprechend gestiegen, und auch die Zahl der direkten Aktien- und Fondsanlager ist seither gewachsen.

Die gesunkenen Depotzahlen deuten darauf hin, dass sich hier die strengere Regulierung bemerkbar macht, erklärte Heiko Beck, Vorstand des Wertpapierdienstleisters DWP Bank, gegenüber der FAZ. Mit 4,8 Millionen Depots ist der Rückgang auch für die DWP Bank, der mehr als 1.300 Banken angeschlossen sind, spürbar gewesen. Seit dem Jahr 2012 sind es fast 13 Prozent weniger.

Becks Einschätzung nach rechne es sich für viele kleinere Banken nicht mehr, ihren Kunden Wertpapierdepots anzubieten. Um die regulatorischen Anforderungen durch Mifid II zu erfüllen, müssten die Banken mehr Personal einstellen, was wiederum höhere Kosten nach sich zöge. Große Banken kommen dank Skaleneffekten besser mit fixen Kosten zurecht.

Sparpläne werden beliebter
In den verbliebenen Depots nimmt nach Beobachtung von Beck die Zahl der Wertpapiersparpläne zu. Im Rahmen von Sparplänen werden wiederum vor allem Fonds nachgefragt, zunehmend auch ETFs. Wegen der niedrigen Zinsen haben zudem viele Anleger von Anleihen in andere Produkte umgeschichtet, etwa in Zertifikate. Ein weiterer Trend: Immer mehr Privatinvestoren kaufen Wertpapiere im Internet, meist ohne Beratung. Bei der DWP Bank liegt der Online-Anteil der Wertpapiertransaktionen von Privatkunden mittlerweile bei rund 40 Prozent und damit so hoch wie nie zuvor.

Erbitterte Konkurrenz
Der Rückgang der Depots bei der DWP-Bank dürfte zum Teil jedoch auch am Erfolg der Deka liegen. Viele Sparkassen bieten eigene Wertpapierdepots an, die von der DWP-Bank administriert werden. Vermitteln sie Fonds oder Zertifikate der Deka, bietet sich hierfür jedoch das günstigere Dekabank-Depot an. In diesen Depots können auch Fonds von Deka-Kooperationspartnern wie Blackrock, Franklin Templeton oder J.P. Morgan Asset Management gelagert werden. Beschränkt sich eine Sparkasse also auf die Produktpalette der Deka, reichen deren Depots aus. Seit dem Jahr 2015 steigt die Zahl der Deka-Depots wieder deutlich, nachdem sie zuvor sieben Jahre in Folge gesunken war. (fp/bm)