Die Staatsanwaltschaft Hof ermittelt gegen Mitarbeiter des sechstgrößten deutschen Wirtschaftsprüfers Rödl und Partner. Es geht dabei um die Beratung der insolventen Finanzgruppe SMP aus Gumpertsreuth bei Hof, die 16.000 Anleger um insgesamt mehr als 120 Millionen Euro gebracht haben soll. Das berichtet die Financial Times Deutschland (FTD) in ihrer heutigen Ausgabe.

Aus dem Verfahren gegen die oberfränkische SMP hätten sich Ermittlungen gegen drei Rödl-Mitarbeiter ergeben, zitiert das Blatt den Leiter der Wirtschaftsabteilung der Staatsanwaltschaft, Ernst Schmalz. Es gebe den Verdacht auf Beihilfe zum Betrug. Ein Unternehmenssprecher von Rödl und Partner wies die Vorwürfe zurück, die Überschuldung der SMP gedeckt und die Insolvenz verzögert zu haben. In einem von der Kanzlei in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten heißt es laut FTD unter anderem, dass trotz des erheblichen Kursverfalls in den Jahren 2000 und 2001 keine Überschuldung vorgelegen habe, die zu einem Insolvenzantrag verpflichtet hätte.

Zu Details habe sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern wollen, so der Bericht weiter. In Zivilklagen werfen Anlegeranwälte Rödl und Partner vor, sich zu wenig von SMP distanziert zu haben, Mitarbeiter seien mitverantwortlich für Anlagebetrügereien im großen Stil. Sollte es zur strafrechtlichen Anklage kommen - die Entscheidung über Klageerhebung soll im Mai fallen -, droht der international tätigen Anwalts-, Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungskanzlei, die nach eigenen Angaben weltweit 2300 Mitarbeiter beschäftigt (Umsatz in 2003: 147,1 Millionen Euro) ein erheblicher Imageschaden.

Die Ex-SMP-Manager Hollerung und Kraus schon wieder auf freiem Fuß

Bereits Anfang April war Klaus Hollerung, Ex-Chef des Finanzdienstleisters SMP, wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach 19 Monaten Untersuchungshaft hatte das Oberlandesgericht in Bamberg den Haftbefehl gegen den 41-jährigen Hollerung - der laut Staatsanwaltschaft zusammen mit seinem Ex-Partner Walter Kraus für einen strafrechtlichen Schaden in Höhe von 45 Millionen Euro verantwortlich sein soll - ohne jegliche Auflagen aufgehoben. Als Hauptgrund gilt dabei die Überlastung der zuständigen Richter: Das Hofer Landgericht, das den Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Anlagebetrüger bereits längst hatte beginnen wollen, ist offenbar durch andere Großverfahren in Terminnöte geraten.

Als frühester SMP-Prozesstermin wurde der Juli dieses Jahres genannt. Hollerungs Ex-Partner Walter Kraus war bereits im Juli vergangenen Jahres gegen Zahlung einer Kaution von 100.000 Euro aus der Untersuchungshaft entlassen worden. (hh)