Nachdem die US-Großbank JP Morgan Chase ihr Private Banking in Deutschland lange zentral aus Frankfurt betrieben hatte, setzt das Institut zunehmend auch auf regionale Büros. In München wurde bereits ein Standort eröffnet, Hamburg soll als nächstes folgen. Und auch von Berlin aus will sich die Bank perspektivisch um vermögende deutsche Kunden kümmern.

Es ergebe Sinn, regionale Büros zu eröffnen, weil sich gerade der Mittelstand und die Familien dahinter über das ganze Land verteilten, sagte Caroline Pötsch-Hennig, Leiterin des Geschäftsbereichs, in einem Interview mit "Bloomberg News". "Auch in Großbritannien hat die Private Bank lokale Büros eröffnet — und wir haben gute Erfahrungen mit dem Schritt gemacht."

"Bewusst lokale Talente an Bord geholt"
Im neuen Münchener Büro hatten im März die ersten fünf Mitarbeiter der Private Bank ihre Arbeit aufgenommen. Pötsch-Hennig zufolge ist der Standort inzwischen weiter gewachsen. Es gebe dort jetzt eine "hohe einstellige Zahl" an Beratern.

"Wir haben bewusst lokale Talente in München an Bord geholt, die in der Region sehr gut vernetzt sind bis nach Augsburg, Nürnberg, Starnberg oder Tegernsee", erklärte Pötsch-Hennig. Leiter des Private Banking in Süddeutschland ist Matthias Musch. Er war von der UBS zu JP Morgan gekommen.

"Wir planen im nächsten Jahr weitere Einstellungen"
Die Eröffnung des Büros in Hamburg ist Pötsch-Hennig zufolge für nächstes Jahr geplant. Einen Leiter für die Region Norddeutschland hat JP Morgan mit André Spiewak bereits gefunden. Er arbeitet vorerst in Frankfurt. Zu seinen beruflichen Stationen zählen unter anderem Credit Suisse und UBS. Ein weiterer Mitarbeiter für Hamburg ist ebenfalls schon an Bord.

"Für Hamburg planen wir im nächsten Jahr weitere Einstellungen. Wir sind dort noch auf der Suche nach neuen Talenten", so Pötsch-Hennig, die vor rund zwei Jahren von der Deutschen Bank zu JP Morgan gewechselt war. Wie groß das neue Büro werden soll, sagte sie nicht. Einer JP-Morgan-Sprecherin zufolge geht es um eine hohe einstellige oder niedrige zweistellige Zahl an Mitarbeitern. 

"Berlin ist sehr interessant für uns"
In Berlin sollen die Private Banker des US-Konzerns im gerade eröffneten Büro der neuen Retailbank von JP Morgan in Deutschland unterkommen. "Berlin ist unter anderem wegen der ansässigen Gründer- und Fintech-Szene sehr interessant für uns", sagte Pötsch-Hennig. Sie bezeichnete Deutschland insgesamt als sehr attraktiven Markt wegen der Dichte an Hochvermögenden.

Auch andere ausländische Banken hatten ihre Private-Banking-Aktivitäten in Deutschland zuletzt verstärkt. So übernahm die niederländische ABN Amro die Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Hinzu kommt inländische Konkurrenz. Die Sparkassen-Tochter Dekabank ist beispielsweise dabei, ihr Geschäft mit vermögenden Kunden auszubauen.

"Wir investieren hier viel"
Pötsch-Hennig zufolge verfügt JP Morgan in Deutschland inzwischen über eine mittlere zweistellige Zahl an Private-Banking-Beratern insgesamt. Der Bereich solle weiter wachsen. Dabei setze sie sowohl auf externe Neuzugänge als auch auf Nachwuchs, der direkt von der Hochschule komme. Deutschland sei für JP Morgan einer der wichtigsten Märkte in Europa. "Deshalb investieren wir hier auch viel", sagte Pötsch-Hennig. (fp/Bloomberg)