So mischen Neobanken den deutschen Markt auf
Fast jeder zweite Depotinhaber in Deutschland nutzt inzwischen einen Neobroker, zeigt eine aktuelle Umfrage. Doch die etablierten Banken rüsten zum Gegenschlag. Dazu bedroht eine Gesetzesänderung das Geschäftsmodell vieler Neobroker.
Neobanken wie Trade Republic, Scalable oder Revolut sind in aller Munde. Konkrete Einblicke in deren Erfolge sind jedoch selten, da sie nicht börsennotiert und Zahlen kaum verfügbar sind. Eine Umfrage des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) zeigt nun: Fast jeder zweite Depotbesitzer nutzt einen Neobroker.
Mehr als die Hälfte der Befragten (51,7 Prozent) gab an, über ein oder auch mehrere Wertpapierdepots zu verfügen. Ein großer Teil (43,0 Prozent) davon hatte auch oder ausschließlich ein Konto bei einem Neobroker. Besonders hoch ist der Anteil der Neobroker-Nutzer demnach in den Altersgruppen bis 29 Jahre (59,1 Prozent) und bis 49 Jahre (58,1 Prozent). Aber auch unter den über 65-Jährigen sind sie noch mit 10,3 Prozent vertreten.
Neobanken sind erst seit knapp zehn Jahren am Markt. "Angesichts dessen ist die Geschwindigkeit der Marktdurchdringung bemerkenswert. Offensichtlich treffen Neobanken den Nerv der Menschen, wenn es um ihre Bankgeschäfte geht", so Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des DIVA.
Neobroker punkten mit klaren Vorteilen
Die Erfolgsfaktoren der Neobanken sind intuitive Apps für den Handel mit Aktien, ETFs und Kryptowährungen, eine unkomplizierte Depoteröffnung sowie äußerst niedrige Gebühren auch für Kleinstaufträge. Mit dem Erwerb der Vollbanklizenz konnte das Angebot um ein Girokonto und eine Debitkarte erweitert werden. "Die Neobanken haben konsequent die 'grüne Wiese' genutzt und frei von Altlasten voll auf die digitale Karte gesetzt", so Heuser. Das bringe erhebliche Kostenvorteile, die den nötigen Freiraum für niedrige Gebühren und attraktive Guthabenverzinsung schaffen. Zudem seien die Apps extrem benutzerfreundlich aufgebaut, Depot- und Kontoeröffnung sehr einfach.
Banken und Sparkassen reagieren
Die etablierten Banken und Sparkassen spüren den Druck. Die Deutsche Bank bringe etwa ihre überarbeitete Banking-App auf den Markt, um sich besser auf Kleintransaktionen einzustellen. Und auch die Sparkassen wollen noch in diesem Jahr mit einer neuen Trading-App nachziehen. Dazu Heuser: "Einfache Apps sind Pflicht." Das sei aber nicht ausreichend, vielmehr müssten die etablierten Anbieter auch Abwicklungsprozesse wie Depoteröffnungen verschlanken.
Wie das Rennen weitergeht, liege auch an den Neobrokern. So gebe es dort keine Beratung, auf die aber viele großen Wert legen, vor allem wenn es um den langfristigen Vermögensaufbau geht. "Ganz sicher sind sich viele, die bei Neobanken mit Einzelwerten oder Kryptowährungen traden, der Risiken dieser Anlageformen nicht bewusst. Man wird sehen, wie die Reaktionen sind, wenn plötzlich Kursverluste die Laune verderben", sagt Heuser.
"Payment for Order Flow"-Verbot stellt Neobroker vor Probleme
Die wohl größte Bewährungsprobe für die Neobanken sei aber das im Sommer 2026 anstehende Verbot des sogenannten "Payment for Order Flow". Denn bisher finanzieren sich Neobroker in weiten Teilen aus Rückvergütungen, die sie von Handelsplätzen (Kurssteller) erhalten – eine Praxis, die wegen ihrer Intransparenz künftig untersagt sein wird. Was zudem kaum bekannt sei, so Heuser: Die Preisstellung beim Handel (Kauf- beziehungsweise Verkaufskurse) könne für den Kunden deutlich ungünstiger sein als bei anderen Instituten. Günstigen Ordergebühren und Guthabenzinsen würden dann möglicherweise höhere Kosten aus überhöhten Handelsmargen gegenüberstehen.
Dazu Heuser: "Die Karten im Wettbewerb werden durch das Verbot ganz neu gemischt, möglicherweise wandern Trümpfe zurück in die Hände der etablierten Anbieter. Das gilt vor allem dann, wenn diese in den Schlüsselbereichen ihre Hausaufgaben machen und so mit den Neobanken gleichziehen können." (jh)















