Ein großer Teil der Versicherungsvermittler erhält von der Assekuranz Bonifikationen oder Zuschüsse. Bei einigen machen diese Zahlungen, die bei Erreichen bestimmter Vertriebsziele gewährt werden, 20 Prozent oder sogar mehr ihres jährlichen Einkommens aus. Das geht aus der sogenannten Strukturanalyse hervor – einer Umfrage, die der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) alle zwei Jahre durchführt. An der aktuellen Studie nahmen 2.500 Vermittler teil.

Im Detail meldeten 80 Prozent, die vornehmlich dem Lager der gebundenen Vertreter angehören, dass sie Bonifikationen oder Zuschüsse von den Versicherern erhalten. 37,5 Prozent der Empfänger sagen, dass der Anteil dieser Zahlungen an ihren Gesamteinnahmen mehr als zehn Prozent ausmachen. Bei rund 15 Prozent der Vermittler sind es sogar 20 Prozent und mehr, wie der BVK in seiner Mitgliederzeitung schreibt. Allerdings: Bei mehr als der Hälfte derjenigen mit Bonifikationen steuern die Zusatzzahlungen weniger als zehn Prozent zum Jahreseinkommen bei.

Anteile der Bonifikationen am Jahreseinkommen von Vermittlern

Bonifikationssysteme stehen auf dem Prüfstand 
Der Verband kritisiert die variablen Vergütungsbestandteile in dem Magazinartikel. Diese seien in aller Regel kurzfristig und unabhängig vom Grundvertrag kündbar. Der BVK weist ferner mit Nachdruck darauf hin, dass sich diese unsicheren Vergütungen für eine betriebswirtschaftlich langfristige und sinnvolle Unternehmensplanung nicht eignen, da sie jedes Jahr in unterschiedlicher Höhe gezahlt werden. "Werden von dem Versicherungsunternehmen gesetzte Ziele nicht erreicht, entfallen Zahlungen komplett und führen zu einem nennenswerten Einnahmenrückgang in Höhe von mehr als 20 oder 30 Prozent der Gesamteinnahmen, der an anderer Stelle erwirtschaftet oder durch Kosteneinsparungen aufgefangen werden muss", heißt es in dem Text.

Hinzu komme, dass die Bonifikationen im Visier des Gesetzgebers sind. Die EU-Versicherungsvertriebsrichtlinie IDD schreibt bekanntlich vor, dass Vermittler im bestmöglichen Kundeninteresse beraten und vermitteln müssen. Daher dürfen keine Anreize durch den Versicherer mehr geschaffen werden, die den Vermittler oder seine Angestellten dazu animieren könnten, dass weniger geeignete Produkte den Kunden angeboten werden. (jb)