So schätzt Scope die Übernahme von Schroders ein
Im Asset Management entsteht ein neuer Riese. Die US-Gesellschaft Nuveen übernimmt den britischen Traditionsanbieter Schroders. Die Analysten von Scope haben die Fondspaletten der beiden Akteure begutachtet. Demzufolge eröffnet der Deal viel Potenzial, birgt aber Herausforderungen.
Die Übernahme des britischen Hauses Schroders durch die US-Gesellschaft Nuveen bietet der Ratingagentur Scope zufolge "viel Potenzial für beide Seiten und kann auch Anlegern Vorteile bringen". Das schreiben die Experten der Fondsratinggesellschaft in einer Analyse. Das US-Haus übernimmt die britische Gesellschaft für rund 9,9 Milliarden Pfund (rund 11,4 Mrd. Euro). Damit entsteht ein neuer Branchenriese mit einem verwalteten Vermögen von fast 2,5 Billionen US-Dollar (2,1 Bio. Euro).
Insbesondere mit Blick auf die geografische Ausrichtung ergänzen sich die beiden Gesellschaften gut, so die Scope-Autoren. "Schroders ist ein traditionsreiches Haus mit mehr als 200 Jahren Geschichte, stark verankert in Europa und verfügt zudem über einen ausgewiesenen Asien-Fokus", heißt es in der Analyse. Nuveen ist wiederum ein sehr US-zentrierter Vermögensverwalter "mit breiter Aufstellung in klassischen und alternativen Anlagen und starkem Fokus auf institutionelle Investoren".
"Wenig sichtbare Strategien breiter platzieren"
Während Schroders hierzulande mit einem Sortiment von gut 140 Fonds gut vertreten sei, nehme Nuveen eher eine Nischenstellung ein. Die starke Präsenz von Schroders könne Nuveen helfen, "bisher wenig sichtbare Strategien breiter zu platzieren", so die Scope-Experten. "Umgekehrt erhält Schroders die Möglichkeit, sein Angebot im US‑Markt besser einzubinden."
"Überschneidungen bei der Produktpalette gibt es zwar in Kategorien wie globalen Aktien- oder Rentenfonds", erläutern die Scope-Analysten. Wichtiger seien aber die unterschiedlichen Zielgruppen. "Schroders ist stark im europäischen Retail- und Wholesale-Markt vertreten, Nuveen bei institutionellen US-Investoren", so die Experten. "Durch den Zusammenschluss entsteht die Chance, Produkte beider Häuser in neuen Märkten breiter zugänglich zu machen."
Alternative Anlagen ausbauen
Neben den Fonds auf liquide Anlageklassen habe Schroders begonnen, den Bereich Private Markets auszubauen. So habe das Haus eine Plattform mit rund 112 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen aufgebaut. Nuveen wiederum gehöre zu den weltweit größten Investoren in Märkte abseits der Börsen. Das Unternehmen verwaltet ein alternatives Portfolio von mehr als 300 Milliarden US-Dollar. Hinter Nuveen steht der US-Pensionsfonds Teachers Insurance and Annuity Association of America (TIAA).
Zwar würde sich auch im alternativen Bereich das Angebot teilweise überschneiden. Die Stärken seien jedoch klar komplementär. "Nuveen punktet mit seiner Größe, US-Marktdurchdringung und langjähriger institutioneller Basis, während Schroders insbesondere in Europa und Asien über tief verankerte Kundennetze verfügt", erläutern die Analysten. Der Zusammenschluss sei daher auch im alternativen Bereich klar positiv zu bewerten.
Kulturen müssen zusammenwachsen
Allerdings gebe es auch Herausforderungen, betonen die Scope-Experten. "Kulturen müssen zusammenwachsen, Produktfamilien müssen neu sortiert werden, und Kunden dürfen keine Verwirrung über Überschneidungen oder Doppelstrukturen erleben", erläutern die Autoren. "Positiv ist jedoch, dass Schroders zunächst als eigene Einheit bestehen und London als großer Standort erhalten bleibt – das sorgt für Stabilität in der Übergangsphase." Entscheidend werde sein, wie gut die Integration organisiert wird und ob beide Marken ihre Stärken skalieren könnten. (ert)




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