Die EU-Transparenzverordnung (TVO) schreibt Versicherungsvermittlern ab einer bestimmten Größe seit dem 10. März 2021 vor, auf ihrer Internetseite darüber zu informieren, ob sie in der Beratung Nachhaltigkeitsrisiken und negative Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren (Principal Adverse Impacts, PAIs) berücksichtigen oder nicht. Für gebundene Versicherungsvermittler übernehmen die Versicherer diese Angaben – allerdings nicht immer in einer Weise, die im Interesse aller betroffenen Exklusivvertreter liegt. Das zeigt eine im Mitgliedermagazin des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) veröffentlichte Studie, die Professor Matthias Beenken von der Fachhochschule Dortmund, BVK-Vizepräsident Marco Seuffert und Anwalt Maximilian Teichler von der Hamburger Kanzlei für Versicherungsmanagement erstellten. 

Konkret wurden Mitte März 2022 bei einer Zufallsstichprobe die Internetseiten von 56 Exklusivvertretern unter die Lupe genommen – jeweils zwei von 28 verschiedenen Versicherungsgesellschaften. Alle Seiten waren von den Versicherern gestaltet. 
Das Ergebnis: Bei acht Internetseiten von vier Assekuranzen fehlte eine Offenlegung zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken und PAIs ganz. Ein fünfter Versicherer machte die Angaben nur bei einem der beiden untersuchten Exklusivvertreter. Die Autoren schränken aber ein, dass diese Webseiten Kleinstagenturen mit weniger als drei Mitarbeitern gehören könnten. Auch wenn das Fehlen der Angaben dann rechtlich zulässig ist, könnte es für die Vermittler ein Wettbewerbsnachteil sein. Bei vier Vermittlern fanden sich die TVO-konformen Informationen wohl nur auf der Internetseite des Versicherers. 

Ort der Veröffentlichung ist uneinheitlich
Jeder vierte untersuchte Versicherer verwendet ferner eine "defensive Veröffentlichung, in der der Exklusivvertreter keine eigene Nachhaltigkeitsstrategie angibt", so die Studienautoren. Das sei nach der TVO zulässig, müsse aber begründet werden. Ein Drittel der Seiten enthalte nur den Verweis auf die ESG-Strategie des Versicherers, die übrigen (46 Prozent) nutzten einen Standardtext des Versicherers und gaben an, Nachhaltigkeitsaspekte in der Beratung grundsätzlich zu verfolgen.

Uneinheitlich sei ferner der Ort der Veröffentlichung. In drei Viertel der Fälle wurde eine eigenständige Unterseite eingerichtet, bei einzelnen Versicherern erfordere "das Auffinden allerdings fast detektivische Fähigkeiten", so die Autoren. Bei vier Seiten wurde das Impressum der Exklusivvertreter ergänzt, "eine sinnvolle Entscheidung, denn dort müssen auch andere regulatorische Pflichtinformationen aufgeführt werden". Bei zwei weiteren wurde die TVO-Veröffentlichung direkt auf der Startseite vorgenommen. In zwei Fällen verwendete der Versicherer einen Text, der keinerlei Bezug auf die Agentur nimmt. Offenkundig handelte es sich um die Offenlegung des Versicherers selbst, die den Agenturen zugeordnet wurde. (jb)