Gefühlt spielt der Ausgabeaufschlag für das Geschäft freier Vermittler eine immer kleinere Rolle. Viele Finanzberater stellen auf Servicegebühren oder Honorarmodelle um – und verzichten dafür auf das Agio. Bislang jedoch fehlten Zahlen, mit denen sich dieser Trend belegen ließe. Darum hat sich FONDS professionell bei Maklerpools und Fondsplattformen umgehört, um die entsprechenden Zahlen zu erheben.


Die Ergebnisse sehen Sie grafisch aufbereitet in der kleinen Bilderstrecke oben – einfach durchklicken!


"Grundsätzlich geht der Trend ja bereits seit einigen Jahren verstärkt zu Fondsverkäufen ohne Ausgabeaufschlag", berichtet Georg Kornmayer, Geschäftsführer des Maklerpools Fondsnet. Bei seinem Haus liege das Verhältnis seit zwei Jahren ziemlich konstant bei fünf zu eins. "Das heißt: 80 Prozent aller Transaktionen werden inzwischen ohne Agio gebucht", sagt Kornmayer.

Zahl der Fondskäufe ohne Aufgeld steigt
Während die meisten Fondsplattformen und Maklerpools FONDS professionell nur Zahlen für das vergangene Jahr liefern konnten, versorgte Ebase die Redaktion mit präzisen Daten für drei Geschäftsjahre. Die Zahl der Fondskäufe ohne Agio ist von 2014 bis 2016 demnach von 39 auf 45 Prozent gestiegen. Das volle Aufgeld verlangten die Berater im vergangenen Jahr nur noch bei 44 Prozent der Transaktionen, das sind zwei Prozentpunkte weniger als noch 2014 (siehe Grafik in der Bilderstrecke oben).

Bei der Augsburger Aktienbank (AAB) sehen noch 72 Prozent der Wertpapierdepots einen Ausgabeaufschlag vor. Der Rest entfällt auf Vermögensverwalter und Honorarberater, die ohnehin kein Aufgeld verlangen. Aber: 54 Prozent der Orders in den Agiodepots werden rabattiert – die genaue Höhe ließ sich jedoch nicht ermitteln. "Tendenziell geht der durchschnittliche Rabatt in Richtung 50 Prozent, bei größeren Orders teilweise auch deutlich darüber hinaus", sagt Gabriel von Canal, Generalbevollmächtigter der AAB.

Tot ist das Agio noch nicht
Ganz ausgestorben scheint das Aufgeld aber noch nicht. "In der Tat hat das Thema 'Rabatt' in den letzten Jahren einen starken Einfluss auf das Kaufverhalten der Kunden gehabt", sagt Oliver Lang, Vorstand des Maklerpools BCA. "Trotzdem ist der Ausgabeaufschlag eine relevante Größe geblieben, die in den Ertragsmodellen der Berater durchaus noch eine Rolle spielt", so Lang.

"Ich arbeite seit 1994 in der Fondsbranche und habe seither schon häufig gehört, dass das Agio verschwindet. Eine gewisse Bedeutung hat der Ausgabeaufschlag aber nach wie vor", meint auch Peter Nonner, Geschäftsführer der Fidelity-Fondsbank FFB. "Seit einiger Zeit ist aber unverkennbar, dass sich zahlreiche unabhängige Finanzberater damit auseinandersetzen, wie sie ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell aufbauen können. Im Zuge dessen führen viele von ihnen Servicegebühren ein oder stellen auf Vermögensverwaltungskonzepte um. In solchen Modellen verliert der Ausgabeaufschlag deutlich an Bedeutung."

Mifid II verstärkt den Trend
Nonner zufolge arbeiten bereits 15 Prozent aller FFB-Kooperationspartner mit Service- oder Vermögensverwaltungsgebühren. Im Neugeschäft liege dieser Anteil schon bei 30 Prozent. "Ein wichtiger Treiber hinter dieser Entwicklung ist die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II, die für volle Transparenz in der Vergütung sorgen wird."

Ähnlich sieht das Hans-Jürgen Bretzke, Vorstand des Maklerverbunds Fondskonzept aus Illertissen bei Ulm. Er verweist darauf, dass ab Inkrafttreten von Mifid II für den Kunden eine konkrete und qualitativ messbare Dienstleistung mit Provisionen verbunden sein müsse. "Diese hat sich nicht nur auf den Kaufzeitpunkt von Fondsanteilen, sondern auf die gesamte Haltedauer zu beziehen", erläutert Bretzke. "Daher kann ab 2018 die Umstellung auf eine jährliche Servicegebühr geboten sein." Der Fokus rückt dann von Abschlüssen und Umschichtungen auf eine laufende Betreuung der Kunden. (bm/ert)


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