Die Anfang Oktober veröffentlichten Statistiken der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zu ihrem Vermittlerregister für gewerbliche Finanz- und Versicherungsvermittler enthielten interessante Zahlen. So war das Lager der Finanzanlagenvermittler gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) mit 41.168 Gewerbetreibenden fast so groß wie Ende September 2014, als mit 41.217 Vermittlern die bisherige Rekordzahl erreicht wurde. Die Statistik zu den Versicherungsmaklern gemäß Paragraf 34d Absatz 1 Satz 2 GewO sorgte gar für Schlagzeilen: Die Zahl der Makler erreichte mit 46.885 einen neuen Höchststand.

Arbeiten in Deutschland also rund 41.200 freie Finanzanlagenvermittler? Können sich Verbraucher an fast 46.900 Maklerbetriebe wenden, wenn sie Versicherungsschutz suchen? Branchenkenner weisen schon lange darauf hin, dass dies nicht der Fall ist. "Aus den Angaben im Register kann man keine Details zu den verschiedenen Vermittlergruppen ableiten und sie auch nicht genau quantifizieren", erklärt Ronald Perschke, Vorstand des in Berlin ansässigen Bildungsdienstleisters Going Public.

Sehr viele 34f-Vermittler bei der DVAG
Unter anderem sind valide Rückschlüsse auf die Zahl der wirklich frei arbeitenden klassischen Finanzmakler nicht möglich, weil viele Vermittler mit einer solchen Zulassung bei großen Strukturvertrieben arbeiten. Das zeigt schon ein Blick auf die Finanzanlagenvermittler. Die DVAG bestätigte auf Anfrage von FONDS professionell, dass eine ältere, in Medien genannte Zahl von rund 13.000 Vermögensberatern mit 34f-Erlaubnis noch aktuell ist.

Bonnfinanz, Compexx, Formaxx/Mayflower, Plansecur, OVB, Global Finanz und Swiss Life (Swiss Life Select, Tecis, Horbach und Proventus) legten der Redaktion die entsprechende Zahl ebenfalls offen – allerdings nur unter der Voraussetzung, diese lediglich kumuliert zu veröffentlichen. Demnach arbeiten bei diesen Vertrieben weitere 5.349 Vermittler mit 34f-Erlaubnis. In Summe sind also 44,5 Prozent der im DIHK-Register verzeichneten Finanzanlagenvermittler für die genannten Vertriebe tätig. Der "freie" Markt ist demnach viel kleiner, als es auf den ersten Blick scheint.

Viele Mehrfachagenten bei Vertrieben
Im Versicherungsbereich ist es ähnlich. Von den rund 27.000 Versicherungsvermittlern mit Erlaubnis nach Paragraf 34d Absatz 1 Satz 1 GewO, den sogenannten Mehrfachvertretern, arbeiten 7.271 bei Bonnfinanz, OVB und bei den Swiss-Life-Vertrieben. Bei vielen Mehrfachagenten handelt es sich zudem um Banken. Allein der Mobile Vertrieb der Deutschen Bank hat rund 1.200 Berater, von denen wohl die allermeisten diese Erlaubnis haben. 

Bei den Versicherungsmaklern wird es Perschke zufolge sehr bunt. Auch hier finden sich Vertriebe: Allein Dr. Klein, Global Finanz, Finum, Formaxx/Mayflo­wer, Königswege, MLP und Plansecur haben in Summe rund 3.300 Berater mit einer Erlaubnis als Makler gemäß Paragraf 34d Absatz 1 Satz 2 GewO angebunden. "Dazu kommen noch andere kleinere regionale Einheiten, deren Berater die Maklerzulassung haben, im Innenverhältnis aber Handelsvertreter sind. Auch einige Banken haben den Maklerstatus", so Perschke weiter. Bei der Mehrheit der im Register geführten Erlaubnisinhaber handelt es sich seiner Einschätzung zufolge allerdings tatsächlich um Maklerbetriebe. (jb)


In der Ausgabe 4/2025 von FONDS professionell, die den Lesern in den kommenden Tagen zugestellt wird, finden Sie einen ausführlichen Artikel zum DIHK-Vermittlerregister.