Allen Varianten des digitalen Bezahlens zum Trotz: Die Deutschen mögen Bargeld – und einen nicht unbeträchtlichen Teil davon bunkern sie gern daheim. 1.800 Euro verwahrt statistisch gesehen jeder Bundesbürger zuhause – in der Zuckerdose, in der Bettmatratze oder an irgendeinem anderen geheimen Ort. 2013 lag der Betrag noch bei 1.300 Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der Finanzdienstleister Barkow Consulting in einer Studie, wie die Tagezeitung "Die Welt" in ihrer Dienstagsausgabe berichtet. Barkow Consulting hatte dazu Daten der Bundesbank ausgewertet. 
 
Der Untersuchung zufolge hat das Bargeldvolumen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Lag es Anfang 2013 noch knapp über 103 Milliarden Euro, so sind es inzwischen 143,9 Milliarden Euro. Damit erreiche die Bargeldhaltung in Deutschland einen neuen Rekord. Allein in den vergangenen drei Jahren sei das Volumen an Scheinen und Münzen, das die Bundesbürger in den eigenen vier Wänden lagern, um 40 Prozent gestiegen.
 
Wirtschaftswachstum allein ist nicht der Grund
Zwar ist die Zunahme des Bargeldvolumens zu einem gewissen Teil durch das Wirtschaftswachstum begründet. Denn: Ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP) führt automatisch zu einer größeren Gesamtmenge an Bargeld in einem Land. Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft seit 2012 aber noch nicht einmal um zehn Prozent zugelegt hat, kann das gesteigerte BIP allein nicht der Grund für die zunehmende Vorliebe der Deutschen für Bares sein.
 
"Die absolute Höhe des Bargeldbestandes pro Kopf ist überraschend", zitiert "Die Welt" den Geschäftsführer von Barkow Consultig, Peter Barkow. Klar sei allerdings noch nicht, ob die Zunahme des Bargeldbestandes mit der Angst vor negativen Zinsen zusammenhängt. Dass das Misstrauen der Bundesbürger gegenüber den Banken generell zunimmt, zeigt hingegen der aktuelle Sparerkompass der Bank of Scotland, für den das Marktforschungsinstitut GfK 1.800 Deutsche befragt hat.
 
57 Prozent stecken Geld lieber in die Spardose
Das Resultat: 57 Prozent der Befragten gaben an, dass sie Bargeld lieber in die Spardose stecken, als es auf die Bank zu bringen. Dies gilt auch für 49 Prozent der Haushalte ohne Kinder. Gegenüber der Vorjahresumfrage ist die Zahl der Deutschen, die zuhause sparen, damit um fast ein Drittel gestiegen. Dies könnte nicht zuletzt auch an den erhöhten Gebühren liegen, über die Geldhäuser die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an ihre Kunden weiterreichen, mutmaßt "Die Welt".

Vor allem aber vermittelt das Sparen daheim vielen Bundesbürgern ein Gefühl von Sicherheit, wie der Sparerkompass der GfK zeigt. Für 44 Prozent der Umfrage-Teilnehmer ist in Zeiten von Terrorangst und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten der Sicherheitsaspekt der wichtigste Grund, ihr Geld bei sich zu behalten. Als zweitwichtigsten Grund nennen die Befragten die Tatsache, dass sie ihr Geld jederzeit griffbereit haben, wenn sie es zuhause lagern. Inflationsängste treiben die Heimsparer derzeit nicht um. (am)