Die Sparkassen haben ein Jahr mit einem hervorragenden Wertpapiergeschäft hinter sich. Das geht aus vorläufigen Zahlen für 2020 hervor, die der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) veröffentlicht hat.

Demnach haben die Kunden 2020 netto 19,1 Milliarden Euro neu in Wertpapiere investiert. Das ist dem DSGV zufolge der höchste Nettoabsatz der vergangenen 20 Jahre. Davon entfallen 14,1 Milliarden Euro auf Fonds, was einem Plus von 44 Prozent zum Vorjahr entspricht (siehe Grafik). Weitere 4,7 Milliarden Euro investierten die Sparkassenkunden in Aktien – im Vorjahr waren es nur 1,2 Milliarden Euro gewesen. In Zertifikate und Anleihen flossen netto rund 300 Millionen Euro. Die Zahl der Depots bei den Sparkassen und der Dekabank sei 2020 um insgesamt 238.000 gestiegen, so der Verband.

Bruttoabsatz legt zu
Ertragsrelevant ist für die Sparkassen allerdings nicht bloß das Nettoneugeschäft: Auch der gesamte Umsatz im Kundenwertpapiergeschäft ist wichtig. Schließlich verdienen die Institute bei Fonds nicht nur am ausstehenden Volumen in Form der Bestandsprovision, sondern auch am Bruttoabsatz, weil sie in der Anlageberatung einen Ausgabeaufschlag vereinnahmen. Im Geschäft mit Zertifikaten, Anleihen und Aktien ist diese Kennzahl sogar die deutlich wichtigere, denn eine Bestandsprovision bieten diese Wertpapiere in aller Regel nicht.

Insgesamt stieg der Wertpapierumsatz der Sparkassen den DSGV-Zahlen zufolge im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf 145,9 Milliarden Euro. Davon entfallen 57,9 Milliarden Euro auf Fonds, das sind 19,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Liebevolle Umarmung der Kunden"
In absoluten Zahlen gemessen ist das Wertpapiergeschäft für die Sparkassen nach wie vor eher ein Randgeschäft: Allein die Kundeneinlagen stiegen im Geschäftsjahr 2020 um 79,1 Milliarden Euro auf 1.074,6 Milliarden Euro – ein Plus von 7,9 Prozent.

"Dieser Rekordwert ist Ausdruck eines riesigen Kundenvertrauens in Krisenzeiten", sagte DSGV-Präsident Helmut Schleweis auf der Jahrespressekonferenz des Verbands. "Diese liebevolle Umarmung der Kunden nimmt uns unter Negativzinsbedingungen aber zunehmend betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen. Deshalb müssen die Sparkassen gegensteuern." Derzeit kosteten zusätzliche Einlagen jedes Kreditinstitut real Geld, so Schleweis. Immer mehr Sparkassen verlangen ein "Verwahrentgelt" von ihren Kunden, sobald gewisse Freibeträge überschritten sind. (bm)