Sportwetten konkurrieren bei jüngeren Amerikanern zunehmend mit traditionellen Geldanlagen. Mehr als ein Viertel der Gen-Z-Anleger betrachtet Wetten auf Sportereignisse als Teil der langfristigen Finanzstrategie. Das geht aus einer Umfrage der Finanzplattform Betterment hervor.

Laut der Online-Umfrage unter 1.000 US-Privatanlegern behandeln 26 Prozent der zwischen 1997 und 2007 geborenen Gen-Z-Anleger Sportwetten bewusst als dauerhaften Bestandteil ihrer Finanzplanung. Bei Millennials sind es 14 Prozent, bei der Generation X sechs Prozent und bei Babyboomern ein Prozent.

Investmentgeld fließt in Sportwetten
Mehr als die Hälfte der jungen Anleger hat im vergangenen Jahr Geld in Sportwetten umgeleitet, das ursprünglich für Investitionen vorgesehen war. 14 Prozent taten dies mehrmals im Monat. Nur rund ein Drittel der Gen-Z-Befragten beteiligt sich überhaupt nicht an Sportwetten. Über alle vier Generationen hinweg sind es 63 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen, wie die rasche Ausbreitung legaler Sportwetten und Prognosemärkte die Vorstellungen jüngerer Erwachsener vom Vermögensaufbau verändert. Diese Angebote konkurrieren zunehmend um frei verfügbares Geld, das andernfalls in Altersvorsorgekonten oder Wertpapierportfolios fließen könnte.

"Wenn sich ein Prognosemarkt oder Sportwettenanbieter allmählich wie eine Altersvorsorgestrategie anfühlt, haben wir ein Problem", sagte Betterment-Chefin Sarah Levy in einer Stellungnahme. "Diese Produkte sind darauf ausgelegt, Menschen nach dem nächsten schnellen Gewinn suchen zu lassen, und nicht darauf, ihnen beim Vermögensaufbau für das nächste Jahrzehnt zu helfen."

Milliardenmarkt Sportwetten
Das staatlich regulierte Sportglücksspiel in den USA ist inzwischen zu einer Branche mit einem Volumen von fast 17 Milliarden Dollar angewachsen. Auch Prognosemärkte verzeichneten starkes Wachstum. Robinhood führte 2025 Prognosemärkte in seiner App ein und erklärte, das Geschäft sei zur am schnellsten wachsenden Einheit der Unternehmensgeschichte geworden.

Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und schwerer erreichbarer Ziele wie dem Eigenheimkauf wenden sich Menschen, die sich finanziell im Rückstand fühlen, laut einer Studie von Northwestern Mutual verstärkt spekulativen Bereichen wie Prognosemärkten, Sportwetten und Kryptowährungen zu.

KI beeinflusst Finanzentscheidungen
Laut Betterment verlassen sich 56 Prozent der Anleger bei ihrer Finanzstrategie auf eigene Recherche und ihr Urteilsvermögen. Rund jeder dritte Befragte vertraut künstlicher Intelligenz bei Finanzberatung; von diesen Anlegern sagten 53 Prozent, KI habe eine finanzielle Entscheidung beeinflusst, die sie andernfalls nicht getroffen hätten. Unter allen Gen-Z-Befragten waren es 48 Prozent. (mb/Bloomberg)