"Stellen unser Modell der Vermögensverwaltung auf einen ETF um"
Die auf Impact-Investments spezialisierte Boutique Inyova bot hierzulande eine digitale Vermögensverwaltung. Doch nun startet das Haus einen ETF. In Deutschland soll dieser das bisherige Modell ablösen. Im Interview erklären der Mitgründer und der Impact-Chef die Beweggründe.
Die auf nachhaltige Investments spezialisierte Gesellschaft Inyova hat in in Deutschland und in der Schweiz eine digitale Vermögensverwaltung aufgebaut. Eine Besonderheit: Privatanleger können dabei aus einem nach Impact-Kriterien ausgewählten Aktienuniversum ihre Favoriten auswählen. Im Januar startete das Haus dann einen aktiven börsengehandelten Fonds (ETF) – unter dem Dach der Servicegesellschaft Hauck & Aufhäuser Fund Services. Der Co-Gründer von Inyova, Tillmann Lang, und Impact-Chef James Crawshaw erläutern im Interview mit FONDS professionell die Gründe für die Auflage des Inyova Impact Investing Active Equity ETF.
Herr Lang, Sie haben einen aktiven ETF aufgelegt. Welche Idee steht dahinter?
Tillmann Lang: Wir betreiben in Deutschland und der Schweiz eine Vermögensverwaltung, die auf der Auswahl von Einzeltiteln beruht. Unser Geschäftsmodell weist drei Besonderheiten auf. Wir richten uns erstens an Privatkunden, die bereits mit 2.000 Euro einsteigen können. Zweitens handelt es sich um ein rein digitales Modell, und drittens haben wir uns vollständig auf Nachhaltigkeit und konkret auf Impact-Investing konzentriert. Vergangenes Jahr haben wir jedoch beschlossen, das Geschäftsmodell in Deutschland auf einen ETF zu ändern.
Was war der Auslöser für diesen Entschluss?
Lang: Ein erheblicher Teil unserer Kunden sind Menschen, die zuvor noch nie an den Finanzmärkten investiert hatten. In Deutschland bekommen diese Erstanleger nur noch das Kürzel ETF zu Ohren. Wenn wir mit einem digitalen, diskretionären Vermögensverwaltungsmandat daherkommen, dann folgt die Frage: Was zum Teufel ist das? ETF-Sparpläne haben sich in Deutschland durchgesetzt. Darauf reagieren wir und stellen unser Deutschland-Modell von einer Vermögensverwaltung auf einen ETF um.
Bedauern Sie, dass die Vermögensverwaltung nicht angenommen wird?
Lang: Nein, wir begrüßen den Trend zu ETF-Sparplänen voll und ganz. Dadurch gewinnen wir ja viel mehr Menschen endlich für das Investieren am Kapitalmarkt. Wir verpacken unser Angebot nun eben in den Mantel eines ETF. Dieses Format entspricht einfach mehr der Marktlogik in Deutschland. Das klassische Robo Advisory hat sich hier nie so recht durchsetzen können.
Macht es einen Unterschied, ob Sie per Vermögensverwaltung oder per ETF in Einzeltitel investieren?
James Crawshaw: Die Fondsstruktur bietet den Vorteil, dass wir uns stärker auf einzelne Positionen konzentrieren können. Bislang bestand unser Universum aus gut 350 Unternehmen. Die Kunden konnten für ihr Portfolio aus diesen dann rund 40 für ihre Vermögensverwaltung auswählen. Das Kapital ist also auf sehr viele verschiedene Unternehmen verteilt. Mit dem ETF jedoch beschränken wir uns auf 40 bis 60 Unternehmen. Das Geld ist damit konzentrierter investiert, wodurch wir pro Unternehmen mehr Stimmen vertreten. Das erleichtert uns auch das Auftreten gegenüber den Firmen.
Inwiefern?
Crawshaw: Als Impact-Investoren treten wir regelmäßig mit den Unternehmen in Kontakt. Dabei müssen wir bei dem Vermögensverwaltungsmodell immer wieder erklären, dass wir für eine ganze Reihe von Investoren sprechen. Denn als Aktieneigentümer werden die einzelnen Endanleger geführt, und nicht Inyova als Repräsentant dieser Anleger. Wir müssen also immer wieder klarstellen, dass wir für einen größeren Teil der Aktionäre sprechen. Wenn wir hingegen über den ETF in ein Unternehmen investieren, steht unser Name darauf, die Unternehmen wissen, mit wem sie es zu tun haben und wie viel Aktienkapital wir vertreten.
Ändern Sie auch in der Schweiz das Modell der Vermögensverwaltung?
Lang: Nein, in der Schweiz verändern wir nichts. Die Vermögensverwaltung bleibt dort bestehen. Der Schritt in Deutschland erlaubt es uns wiederum, die regulatorische Komplexität abzubauen.
Wie werden Sie den ETF in Deutschland vermarkten?
Lang: Diesen werden wir hier nicht selbst bewerben, sondern mit Partnern arbeiten. Aber wir verfügen auch noch über eine umfangreiche Kundendatenbank und haben alle Kunden auf die Möglichkeit hingewiesen, Vermögen in den ETF zu übertragen. So konnten wir bereits viele unserer Anleger in den ETF mitnehmen. Dank der Kundenkontakte können wir zudem noch allgemeines Marketing betreiben.
Aber wie gelangen Sie an Neukunden?
Lang: Wir sind gut darin, das Thema nachhaltige Geldanlage emotional anzupacken. Viele Menschen erachten die Finanzmärkte als langweilig oder gar bedrohlich. Dagegen arbeiten wir an und zeigen auf, wie die Menschen mit ihrer Anlage Gutes bewirken können. Einerseits empfehlen uns unsere bestehenden Kunden weiter. Zum anderen bauen wir einen Vertrieb über Neobroker und Banken auf.
Ist es nicht schwer, bei Neobrokern ins Sortiment zu kommen?
Lang: Die Neobroker stehen vor der Herausforderung, dass sie in der Regel mit neuen Vermögenswerten Geld verdienen, nicht aber mit bestehenden. Das ist ein generelles Problem der Broker bei passiven ETFs. Daher sind sie sehr daran interessiert, aktive ETFs wie unseren aufzunehmen, da diese eher die Möglichkeit eröffnen können, auch über den Bestand Erträge zu erzielen. Zudem sind auch Neobroker beim Thema Nachhaltigkeit nach vielen Greenwashing-Skandalen vorsichtig geworden. Da sind wir mit der Glaubwürdigkeit der Inyova-Marke eine leichtere Wahl. Denn das Nachhaltigkeitsinteresse der Anleger ist ja weiter da, selbst wenn es nicht so präsent ist wie vor einigen Jahren.
Vielen Dank für das Gespräch. (ert)















