Der Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch nutzt die Zeit bis zum Inkrafttreten des Investmentsteuerreformgesetzes (InvStRefG) am 1. Januar 2018, um die Anlagebedingungen verschiedener flexibler Mischfonds aus seinem Sortiment anzupassen.

"Anleger werden nur in den Genuss von steuerlichen Teilfreistellungen kommen, wenn Mischfonds bestimmte Mindestkapitalbeteiligungsquoten erfüllen", sagt Dirk von Velsen, Vorstand von Flossbach von Storch, auf Anfrage von FONDS professionell. Die Kölner werden daher in den Prospekten der entsprechenden Portfolios festschreiben, dass die jeweils relevanten Mindestaktienquoten fortlaufend eingehalten werden.

Quoten müssen in den Anlagebedingungen festgeschrieben sein
Um zu verstehen, was die Anlagebedingungen mit den künftigen Teilfreistellungen zu tun haben, hilft ein kurzer Blick auf die Vorschriften des Investmentsteuerreformgesetzes. Bislang fallen Steuern auf Ebene des Anlegers an, nicht aber auf Fondsebene. Doch das ändert sich zum 1. Januar 2018. Künftig müssen in Deutschland aufgelegte Fonds auf Dividenden, die deutsche Unternehmen ausschütten, sowie auf Mieterträge und Gewinne aus Immobilienverkäufen, die in der Bundesrepublik erzielt werden, 15 Prozent Steuern zahlen.

Als Ausgleich für den Anleger hat der Gesetzgeber Teilfreistellungen vorgesehen. Das heißt: Laufende Erträge und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen werden bei der Abgeltungsteuer teilweise freigestellt. Bei Fonds mit einer Aktienquote von mindestens 51 Prozent bleiben 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds mit einer Aktienquote von mindestens 25 Prozent sind es 15 Prozent. Aber: Anleger bekommen die Teilfreistellungen nur, wenn die genannten Quoten in den Anlagebedingungen der Fonds eindeutig festgelegt sind. Diese Regeln gelten übrigens auch für ausländische Fonds, die in Deutschland vertrieben werden.

"Mindestaktienquoten für verschiedene Investmentfonds"
Flossbach von Storch nimmt daher dort, wo es nötig ist, nun entsprechende Änderungen vor. "Im Hinblick auf die Investmentsteuerreform haben wir intern bereits Mindestaktienquoten für verschiedene Investmentfonds festgelegt", erklärt von Velsen. "Soweit diese nicht schon zum jetzigen Zeitpunkt bestehen, werden wir sie rechtzeitig im Laufe dieses Jahres in den Anlagebedingungen umsetzen."

Eine Mindestaktienquote von 25 Prozent wird künftig für die folgenden vier Fonds gelten: FvS SICAV Multiple Opportunities, FvS Multiple Opportunities II, FvS Multi Asset – Balanced und FvS Multi Asset – Growth. Die Aktienfonds FvS Global Quality, FvS Dividend, FvS Global Emerging Markets und FvS Fundament werden künftig laut Prospekt mindestens 51 Prozent Aktien halten.

Derivate erlauben auch künftig volle Flexibilität
Dass Starmanager Bert Flossbach künftig dazu gezwungen ist, jederzeit mindestens ein Viertel seines milliardenschweren Multiple Opportunities in Aktien zu investieren, dürfte ihm kaum Kopfzerbrechen bereiten. Für ausgewogene und flexible Multi-Asset-Fonds hält Flossbach von Storch eine Aktienquote, die sich deutlich oberhalb von 25 Prozent befindet, grundsätzlich für strategisch sinnvoll.

Selbst für den wohl eher unrealistischen Fall, das sich diese Einschätzung in Zukunft einmal ändern sollte, bedeutet eine Bruttoaktienquote von 25 Prozent nicht, dass Bert Flossbachs  Fonds seine bisherige Flexibilität verliert. Sollte er eines Tages zu der Überzeugung gelangen, dass Aktien völlig überteuert sind, könnte er die Nettoaktienquote des Fonds über Derivate unter die 25-Prozent-Schwelle drücken. Derzeit liegt diese Quote deutlich höher: bei rund 58 Prozent.

Unerheblicher Aufwand
Der Aufwand, der mit den geplanten Prospektänderungen verbunden ist, beunruhigt Vorstand von Velsen nicht. "Dieser wird unerheblich sein, da die Änderungen gleichzeitig mit anderen gesetzlich vorgeschriebenen Änderungen durchgeführt werden", erklärt er. (am)