Banken und Sparlassen reagieren auf den negativen Einlagenzins der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht nur mit der Erhebung von Minuszinsen auf Sparguthaben ihrer Kunden. Immer mehr Häuser verlangen auch ein Extra-Entgelt für Bargeldabhebungen. Dies zeigt eine Untersuchung des Verbraucherportals biallo.de, wie diverse Medien berichten, darunter die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und das "Handelsblatt".

Für die Analyse haben die Biallo-Experten die Girokonto-Konditionen von knapp 1.300 Geldinstituten unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Während überregionale Banken bisher keine Gebühren für das Geldabheben am Automaten berechnen, ist dies bei regional tätigen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken (VR Banken) auffallend häufig der Fall.

Der Untersuchung zufolge fallen bei mehr als 500 Sparkassen und Genossenschaftsbanken mittlerweile Kosten an, wenn Kunden sich Geld an einem Gerät des Instituts holen oder wenn sie einen Automaten des Verbunds nutzen, zu dem das Haus gehört. Das gilt zwar nicht für jede angebotene Konto-Version, meist aber für mindestens ein Modell. Betroffen seien in der Regel ausgerechnet die vermeintlich günstigen Standard-Varianten, nicht die teureren Premium-Versionen. "Experten warnen, dass sich die Banken damit keinen Gefallen tun, zumal sich die Zusatzerlöse für die Institute in ausgesprochen engen Grenzen halten", stellt das "Handelsblatt" fest.

Bis zu 4,50 Euro
Ab wann und unter welchen Bedingungen Gebühren für die Automatennutzung berechnet werden, ist von Bank zu Bank verschieden. So fallen der Studie zufolge bereits bei knapp 300 regionalen Geldhäusern Kosten an, wenn Kunden sich an den institutseigenen Geräten oder an denen der entsprechenden Gruppe mit Geld versorgen, berichtet die "SZ". Zwar würden die Gebühren meist nicht gleich bei der ersten Abhebung erhoben. Ab der fünften zahlten Kunden aber zwischen 50 Cent und stattlichen 4,50 Euro, die beispielsweise bei der VR Bank Lausitz zu zahlen sind. 

Über 170 Sparkassen und genossenschaftliche Institute kassieren ihre Kunden generell immer dann ab, wenn diese nicht an den hauseigenen Automaten abheben, sondern an fremden Sparkassen- oder VR-Bank-Geräten. Bei den Sparkassen würden dafür 36 Cent pro Verfügung fällig, schreibt die "SZ". Bei den VR-Banken seien es im Durchschnitt 47 Cent. Damit wollten die Geldinstitute unter anderem ihre eigenen Kosten wieder hereinholen, die sie für Fremdabhebungen untereinander abrechnen. So weit, so nachvollziehbar – zumindest teilweise. Doch der Einfallsreichtum treibt auch manch seltsame Blüte.

Auf die Uhrzeit kommt es an
Ein besonders gewöhnungsbedürftiges Modell: Gebühren fürs Geldabheben am Automaten fallen nur zu bestimmten Uhrzeiten an! So ist es laut Biallo zum Beispiel bei der VR Bank Passau: Wer sich vor acht Uhr morgens, nach 17 Uhr an Werktagen oder am kompletten Wochenende Liquidität verschaffen möchte, zahle generell 35 Cent je Abhebung, berichtet die "SZ". Für Bargeldein- und -auszahlungen am Schalter und an den eigenen Geldautomaten der VR Bank Passau würden von Montag bis Freitag zwischen acht und 17 Uhr hingegen keine Buchungsposten berechnet.

Doch auch wer noch an den Schalter geht, um Geld abzuheben, ist vor Extrakosten nicht gefeit. So lassen sich der Analyse von Biallo zufolge inzwischen zwei Drittel der Geldhäuser auch diese Leistung bezahlen. Bei einer Untersuchung, die das Verbraucherportal 2014 erhoben hatte, waren es nur einige wenige gewesen. "Für viele Geldinstitute heißt offenbar die Devise inzwischen nicht mehr 'Ran an den Kunden', sondern 'Raus mit ihr oder ihm aus der Schalterhalle' ", merkt die SZ hierzu an.  (am)