Spare in der Zeit, dann hast du in der Not? Viele Deutsche ignorieren dieses Sprichwort. Sie sparen schlichtweg immer, und in Krisenzeiten mehr denn je. Seit Beginn der Viruswelle tun sie das auf eine besonders fragwürdige Art, zeigt eine neue Untersuchung von Barkow Consulting im Auftrag der ING Deutschland: Die Bundesbürger bunkern immer mehr Bargeld unterm Kopfkissen oder im Einmachglas.

Das ist zwar bereits seit Jahren der Fall, der niedrigen Zinsen wegen. "Die Coronakrise scheint diesen Trend aber nochmals zu beschleunigen", sagt Thomas Dwornitzak, Leiter des Bereichs Sparen & Anlegen bei der ING Deutschland. Bereits im März haben Experten für die Eurozone einen "Corona-Sondereffekt" von rund 30 Milliarden Euro Bargeld-Ersparnissen ermittelt, erklärt Dwornitzak. "Von diesem entfallen zirka sechs Milliarden Euro auf die deutschen Privathaushalte." 

Mehr Probleme, mehr Rücklagen
Bankeinlagen gehören nicht nur in der aktuellen Pandemie zu den Profiteuren. Barkow Consulting hat im Auftrag der ING Deutschland das Sparverhalten der Bundesbürger in den vergangenen 20 Jahren unter die Lupe genommen und dafür Zahlen der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank ausgewertet. Das Ergebnis: Im Untersuchungszeitraum gab es vier handfeste Krisen – die geplatzte Dotcom-Blase 2001 bis 2005, die Finanzkrise 2008 bis 2009, die Euro-Schuldenkrise in den Jahren 2012 und 2013 sowie die durch Niedrigzinsen geprägte Zinskrise 2014 bis 2019. Jede von ihnen hat das Sparverhalten der Deutschen beeinflusst, und zwar nicht gerade zum Besseren.

In jeder der vier großen Krisen ist der Anteil von Bankeinlagen am Sparvolumen privater Haushalte gestiegen. Sogar in der Zinskrise brachten die Deutschen im Schnitt mehr als jeden zweite Spar-Euro zur Bank. Im vergangenen Jahr erreichte das jährliche Sparvolumen mit insgesamt 268 Milliarden Euro das sechste Mal in Folge einen Rekordwert. Seit 1999 ist es unterm Strich um 80 Prozent gestiegen. Die Bundesbürger legen heute also mehr denn je auf die hohe Kante. (fp)