Dass steigende Steuerbelastungen ein wesentlicher Treibstoff für die Französische Revolution war, ist bekannt. Auch die Steuerungleichheit hat maßgeblich zum Ausbruch und zur Fortführung beigetragen, erklären Forscher der Rockwool Foundation Berlin. Sie leiten diese Erkenntnis aus einer Analyse ab, in der sie den Zusammenhang zwischen regionalen Steuerunterschieden und revolutionären Unruhen untersucht haben.

Demnach kam es in Regionen mit besonders hohen Salzsteuern und Binnenzöllen bereits zwischen 1750 und 1789 zu doppelt so vielen Aufständen wie in Gebieten mit niedriger Steuerbelastung. Das Revolutionsgeschehen ist kein abgegrenzter Zeitraum – allgemein wird ihr Beginn aber mit dem Sturm auf die Bastille im Jahr 1789 markiert und ihr Ende zehn Jahre später, 1799, mit der Machtübernahme durch Napoleon.

Beschwerden ignoriert
"Die Unzufriedenheit spiegelte sich auch in den 'Petitionen' (Cahiers de doléances) wider, die Vertreter des Volkes Anfang 1789 beim König einreichten. Regionen mit höheren Steuern verzeichneten in ihren Petitionen an den König 72 Prozent mehr Beschwerden über Steuern und Zölle", schreibt Marco Tabellini, Research Fellow bei der Rockwool Foundation Berlin, in einer Zusammenfassung.

Die Unterschiede in der Besteuerung waren eklatant: In Regionen mit niedriger Steuerbelastung mussten Haushalte durchschnittlich 2,5 Prozent ihres Jahreseinkommens für die verhasste Salzsteuer aufwenden. In Hochsteuergebieten lag dieser Anteil bei 13 Prozent.

Hinzu kamen wirtschaftliche Belastungen. "Dieser seit Langem bestehende Unmut fiel 1788 mit einem besonders trockenen Sommer zusammen, auf den ein außergewöhnlich kalter Winter folgte, was die Brotpreise in die Höhe schnellen ließ und eine Welle von Hungerunruhen auslöste", erklärt Tabellini. Gleichzeitig plante König Ludwig XVI. Steuererhöhungen, nachdem die Unterstützung der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung und hohe Hofausgaben die Staatsfinanzen massiv belastet hatten.

Die Folgen der Steuerungleichheit forcierten nicht nur den Beginn der Revolution, sondern auch ihre Aufrechterhaltung. Besonders hoch besteuerte Regionen seien stärker von den ländlichen Aufständen der "Grande Peur" betroffen gewesen, die nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 einsetzten und schließlich zur Abschaffung der feudalen Privilegien und der Steuerbefreiungen des Adels führten.

Auch politisch zeigte sich ein Zusammenhang: "Abgeordnete aus stark besteuerten Bezirken standen der Monarchie kritischer gegenüber, unterstützten revolutionäre Reformen stärker und stimmten im Januar 1793 eher für die Hinrichtung des Königs", sagt Tabellini. Dies gehe aus den Parlamentsreden von Mai 1789 bis Januar 1793 hervor. (eml)