Für Anleger stehen bei der Finanzberatung Beziehung und Sicherheit vor der Performance. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie "Client Connect: The Vanguard Advice Survey 2026", für die Vanguard 203 Finanzberater sowie mehr als 1.000 beratene Anleger in Deutschland befragt hat.

Beim Mehrwert von Finanzberatung nannten Anleger vor allem immaterielle Faktoren. 71,4 Prozent gaben an, sich bei der Erreichung ihrer Anlageziele sicherer zu fühlen; 65,1 Prozent sprachen von innerer Ruhe. Zudem fühlen sich 63,2 Prozent mit Blick auf ihren Lebensstandard im Ruhestand besser abgesichert. Anleger bewerten die Leistung ihrer Berater damit deutlich breiter als allein über die Portfoliorendite.

Beziehung wichtiger als Rendite
"Unsere Studie zeigt deutlich: Anleger wollen Berater, die über Zahlen hinausgehen – die Zeit investieren, Ziele wirklich verstehen und in entscheidenden Momenten präsent sind", sagt Sebastian Lewis, Senior Specialist im Vanguard Advisory Research Centre und Co-Autor der Studie. "Viele Berater stellen Beziehungen bereits in den Mittelpunkt. Gleichzeitig besteht Potenzial darin, insbesondere sensible Themen wie Nachfolge- und Familienplanung früher und strukturierter zu adressieren."

Wie wichtig persönliche Faktoren sind, zeigt auch der Blick auf das Ende von Beraterbeziehungen. Laut den befragten Finanzberatern werden diese überwiegend aus persönlichen oder servicebezogenen Gründen beendet (67,0 %), deutlich seltener wegen der Portfolioperformance (26,1 %). Zugleich zeigten sich die meisten Anleger mit der Entwicklung ihrer Geldanlage zufrieden: 94,6 Prozent bestätigten, dass ihr Berater positiv zum Portfoliowachstum beiträgt. Den jährlichen Mehrwert ihrer Beratung schätzen Anleger im Schnitt auf 6,4 Prozent nach Gebühren.

Mehr persönlicher Kontakt gewünscht
Für eine stabile Kundenbindung bleiben Persönlichkeit, Servicequalität und kontinuierliche Beziehungspflege entscheidend. Gleichzeitig sehen die Studienautoren Verbesserungspotenzial: 54,5 Prozent der Anleger würden ihren Berater gern häufiger als einmal pro Jahr persönlich treffen. Berater gaben an, diesen Wunsch nur in 46,3 Prozent der Fälle zu erfüllen. Zwar stimmen Erwartungen und Realität bei virtuellen Meetings eher überein, doch Vertrauen entsteht laut Studie weniger selbstverständlich in digitalen Formaten. Entsprechend halten 92 Prozent der Anleger Vertrauen für den wichtigsten Zufriedenheitsfaktor.

Behavioural Coaching gewinnt an Bedeutung
Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die wachsende Bedeutung von Behavioural Coaching. 72,8 Prozent der Anleger schätzen Unterstützung dabei, nicht auf jede Marktbewegung zu reagieren; 61,9 Prozent empfinden Hilfe beim Verzicht auf kurzfristige Renditejagd als wertvoll. Anleger schätzen, dass Beraterinterventionen jährliche Verluste von durchschnittlich 10,8 Prozent verhindert haben, während Berater selbst von 17,2 Prozent ausgehen.

"Behavioural Coaching wird häufig unterschätzt – dabei ist es in turbulenten Marktphasen oft der entscheidende Faktor, um langfristig erfolgreich investiert zu bleiben", sagt Lewis.

Nachfolgeplanung oft zu spät thematisiert
Zudem unterstreicht die Studie die Bedeutung von Nachfolge- und Familienplanung. Viele Anleger wünschen sich, dass diese Themen früher angesprochen werden. Tatsächlich werden Partner laut Beratern nur in 31 Prozent der Fälle und Kinder lediglich in acht Prozent der Fälle in die Finanzplanung einbezogen – obwohl eine frühere Einbindung helfen kann, Vermögen über Generationen zu sichern und Abflüsse nach Erbfällen zu reduzieren. (mb)