In Deutschland gibt es deutlich weniger "richtige" Bankzweigstellen, als es die offizielle Statistik suggeriert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung des Analysehauses Barkow Consulting. Die Bundesbank weist für das Ende vergangenen Jahres 24.100 Filialen aus. Die Düsseldorfer Analysten dagegen kommen nur auf 21.250, also fast zwölf Prozent weniger. Wie kann das sein?

"Wir definieren eine klassische Filiale als Betriebsstätte, in der weit überwiegend oder ausschließlich eine Vielzahl an Bankprodukten für Privatkunden angeboten wird", erläutert Geschäftsführer Peter Barkow. "Sie ist insofern enger als die für regulatorische Zwecke notwendige Definition der Bundesbank." Diese definiere Filialen in der Bankstellenstatistik so, dass alle Stellen erfasst werden, in denen Bankgeschäfte gemäß Paragraf 1 Kreditwesengesetz erbracht werden.

Seit 2011 ist mehr als jede vierte Zweigstelle verschwunden
Barkow klammerte beispielsweise Partnerfilialen in Paketshops oder Kundenbüros von Bausparkassen aus. Auch Bankstellen von Spezialinstituten und Hypothekenbanken blieben außen vor, "da sie sehr wahrscheinlich überwiegend nicht für Privatkunden sind", so Barkow.

Unter dem Strich sank die Zahl der Bankfilialen Barkow zufolge 2020 um 7,6 Prozent. Damit fiel der Rückgang weniger deutlich aus als in der Bundesbankstatistik, die das Minus für das vergangene Jahr auf 9,6 Prozent beziffert hatte (FONDS professionell ONLINE berichtete). Was beide Erhebungen eint: Auf lange Sicht ist der Filialschwund dramatisch. Für das Jahr 2011 zählte Barkow noch 33.160 Zweigstellen. Sprich: In nicht einmal einer Dekade ist mehr als jede vierte Filiale verschwunden. (bm)