Immer mehr Menschen achten bei ihrer Geldanlage auf ökologisch und sozial gerechte Kriterien. Doch wie erhalten Anleger überhaupt Zugang zu solch nachhaltigen Investments?  Für Jörg Arnold, CEO von Swiss Life Deutschland,  ist das eine Lotsenaufgabe der Beratungsdienstleister. Er formuliert vier Thesen, wie Finanzberater dazu beitragen können, Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge zu stärken.

Angebot allein schafft keine Nachfrage, lautet seine erste. "Es gibt langjährige Erfahrungen, wonach bei Finanzprodukten die Erweiterung eines Produktangebots nicht zu mehr Nachfrage führt", sagt Arnold. Daher müssten Fachleute erst einmal informieren, wie finanzielle Absicherung nach ESG-Kriterien gestaltet werden kann. Arnolds zweite These betrifft den Verbraucherschutz: Die Finanzberatung sei seit Jahren stark reguliert. "Wo Nachhaltigkeit draufsteht, muss auch Nachhaltigkeit enthalten sein", fordert der Experte. Nur wenn sich Kunden darauf verlassen können, werden ESG-Präferenzen auch künftig an Bedeutung gewinnen, nimmt er an.

Ein Querschnitt der Gesellschaft
Arnolds dritte These: Nachhaltigkeit in der Altersvorsorge kann lediglich dann erfolgreich sein, wenn sie die Mitte der Gesellschaft erreicht. "Bemerkenswerte 40 Prozent der Menschen in Deutschland haben kein nennenswertes Vermögen", sagt Arnold. "Ihnen fällt Altersvorsorge generell schwerer, sie sind aber umso mehr auf Unterstützung angewiesen." Sein Vorschlag: eine provisionsbasierte Finanzberatung. So könnten auch kleine und mittlere Einkommen Zugang zu nachhaltigen Geldanlagen erhalten. Alternativmodelle wie die Honorarberatung beschränken sich nach der Ansicht des Swiss-Life-Chefs zu sehr auf einkommensstarke Haushalte, die notwendige Existenzsicherung bleibe für große Teile der Gesellschaft aus.

Und viertens: Diversität. "Zugegeben, hier hat die Branche noch Veränderungsbedarf, die Vermittlerschaft ist heute noch in weiten Teilen zu männlich dominiert", gesteht Arnold. Seine Industrie müsse ein Querschnitt der Gesellschaft sein, um Vertrauen aufzubauen und damit breite Aufmerksamkeit für nachhaltige Geldanlagen zu wecken. "Ich bin davon überzeugt, dass durch Vielfalt in der Beratung Menschen erreicht werden, die sich heute wohlmöglich aufgrund ihres Alters, Geschlechts, Herkunft oder sexuellen Orientierung noch nicht ausreichend unterstützt fühlen", sagt Arnold. (fp)