Finanzdienstleister kommen an nachhaltigen Produkten nicht mehr vorbei. Die EU-Kommission forciert sie mit ihrer "Sustainable Finance Strategy", zu der auch die seit März geltende Offenlegungsverordnung gehört. Für Finanz- und Versicherungsvermittler bedeutet das, dass sie sich über kurz oder lang mit dem komplexen Thema auseinandersetzen müssen. Auf sie kommt nach Meinung von Jörg Arnold, Vorstandsvorsitzende der Swiss Life in Deutschland, zudem eine wichtige neue Aufgabe zu. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Arnold zufolge sind private Anleger grundsätzlich an Produkten interessiert, die ökologische, soziale und aufsichtsrechtliche Kriterien (ESG) berücksichtigen. Dadurch entstehe aber noch nicht automatisch eine Nachfrage: "Erst wenn Menschen von Experten über die Angebote informiert werden, entsteht Interesse", sagt er der FAZ. Die Aufgabe der Vermittler sei es, dem Kunden zu verdeutlichen, wie die neuen Produkte zu ihrem Finanzbedarf passten. "Durch ebendiese Lotsenaufgabe sorgt die Beratungsdienstleistung dafür, dass Altersvorsorge nicht nur zu den individuellen Bedürfnissen der Menschen passt, sondern auch nachhaltige Entwicklungen stärkt", sagt er.

Spreu vom Weizen trennen
Eine wichtige Aufgabe der Berater sei es daher, nur solche Produkte zu empfehlen, die einer strengen Prüfung standhalten. Viele Fonds sind laut einer Studie "Placcebo-Produkte", weil Kunden mit ihren Investments Klima- und andere Nachhaltigkeitsziele nicht unterstützen. Vermittler würden auch "zu Standardsetzern gegenüber den Produktgebern". "Es geht also auch darum, die Spreu vom Weizen nachhaltiger Finanzprodukte zu trennen. Ein Qualitätswettbewerb ist dann die positive Folge", zitiert die FAZ den Swiss-Life-Chef für Deutschland. 

Arnold plädiert ferner für einen fairen Finanzmarkt. Dazu zähle, dass Bezieher geringer und mittlerer Einkommen Zugang ESG-Produkten erhalten. Aus diesem Grund widerspricht er auch der Forderung vieler Politiker und Verbraucherschützer, die seit Jahren wie ein Mantra die Einführung der Honorarberatung fordern. Der Finanzprofi vertritt dagegen die Haltung vieler Finanzdienstleister, dass eine Provisions basierte Beratung gerade solchen Haushalten zugutekomme, die nicht so hohe Einkommen haben. "Auch die niedrigen und mittleren Einkommensgruppen erhalten dadurch Zugang zu nachhaltigen Geldanlagen", sagt Arnold der Zeitung. (jb)