Seit die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II Anfang Januar 2018 in Kraft getreten ist, müssen Anlageberater bei Banken und Sparkassen Beratungsgespräche per Telefon oder Videokonferenz aufzeichnen. Freien Fondsvermittlern schreibt die überarbeitete Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) seit August vergangenen Jahres vor, Unterhaltungen mitzuschneiden, wenn sie telefonisch oder per Video Kunden beraten. Doch weil das sogenannte Taping in der Branche für Unmut sorgt, haben mehrere Verbände, darunter der Bundesverband Deutscher Vermögensberater, AfW und Votum, jetzt gemeinsam eine Online-Petition gestartet. 

Mit der Unterschriftenaktion machen sich die Branchenverbände nicht für eine Abschaffung der Aufzeichnungspflicht stark. Sie möchten aber erreichen, dass Kunden künftig selbst entscheiden dürfen, ob ihr Berater ein Band einschalten soll oder nicht. Nach der aktuellen Rechtslage ist das nicht möglich, denn das Taping ist verpflichtend und gilt nicht nur für den Auftrag, sondern immer für die komplette Beratung.  Aus diesem Grund können sich Kunden, die keine Aufzeichnung wünschen, telefonisch oder per Video nicht mehr beraten lassen und auch keine Fragen mit ihrem Finanzprofi klären. 

Einschränkungen gerade in Corona-Zeiten
"Das führt gerade in Zeiten der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen dazu, dass die Kundinnen und Kunden auf sich alleine gestellt sind, weil Präsenzberatungen gar nicht leistbar sind", schreiben die Verbände.  Dies können sei nicht im Sinne Verbraucherschutzes sein.

Bevor die Europäische Kommission im Sommer 2021 die Ergebnisse der Evaluierung von Mififd II und ihre Änderungsvorschläge vorlegt, wollen die Verbände in Sachen Taping daher noch einmal Druck machen. Das Bundesministerium der Finanzen habe ihre Forderung übernommen und setze sich bei den zuständigen Stellen in Brüssel dafür ein.

ESMA hält am Taping fest
Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA hingegen, die der EU-Kommission im Sommer 2020 bereits Vorschläge für Mifid-II-Änderungen im Bereich des Anlegerschutzes zugeleitet hat, hält an der Aufzeichnungspflicht in ihrer aktuellen Form fest. "Es ist wichtig zu verstehen, dass das Taping einen echten Nutzen hat", sagte der ESMA-Chef Steven Maijoor FONDS professionell im September vergangenen Jahre in einem Interview. 

Auch in dem "Mifid-II-Quick-Fix", auf den sich die Kommission, das EU-Parlament und der EU-Ministerrat sich im Dezember 2020 verständigt hatte, kommt das Taping nicht vor. Das Schnellverfahren dient zur Lockerung bestimmter Vorschriften der Finanzmarktrichtlinie, um so den Vertrieb von Wertpapieren zu erleichtern. Eine gelockerte Aufzeichnungspflicht ist im Quick-Fix nicht vorgesehen. (am)