Fast drei Monate ist Mifid II nun "live". Die Reaktionen aus der Branche fallen gemischt aus: Nach einigen Startproblemen läuft die Zusammenarbeit zwischen Produktanbietern und Banken immer besser, doch bei vielen Beratern und ihren Kunden ist durchaus Unmut zu spüren. Das lässt sich beispielsweise aus den Gesprächen mit Thorsten Haus von der Frankfurter Sparkasse und Ulrich Christmann von der Deutschen Bank herauslesen. Auch Alfredo Garces, Direktor Vorsorge und Vermögen bei der Targobank, stellte sich den Fragen von FONDS professionell ONLINE.


Herr Garces, zu Jahresbeginn gab es Meldungen über fehlende Mifid-II-Daten zu Zielmärkten und laufenden Kosten für zahlreiche Wertpapiere. Hat das auch den Vertrieb über die Targobank tangiert?

Alfredo Garces: Die technische Umsetzung von Mifid II verlief weitgehend reibungslos, soweit wir die Dinge selbst in der Hand hatten. Allerdings sind auch bei uns in den ersten Tagen und Wochen des Jahres Einschränkungen des Handels durch unvollständige Datenlieferungen zur Zielmarkteinstufung oder zur Kosteninformation aufgetreten. Zudem gab es Einschränkungen für Kunden im Produktangebot, weil einige Emittenten die Basisinformationsblätter, die die PRIIPs-Verordnung seit Anfang des Jahres vorschreibt, nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt haben. Ein Handel der entsprechenden Produkte war dann nicht möglich. Diese Probleme sind aber mittlerweile behoben und es kommt zu keinen Einschränkungen mehr.

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von den Beratern vor Ort? Womit tun sie sich noch schwer?

Garces: In unserer Beratungspraxis haben wir keine grundlegenden Änderungen vornehmen müssen. So haben wir in unserem Beratungsprozess bereits vor Mifid II eine Vielzahl von Daten abgefragt und berücksichtigt, die jetzt zu Pflichtinformationen erklärt wurden. Die neuen Anforderungen stellen für unsere Berater deshalb keine besondere Herausforderung dar.

Wie nehmen die Kunden die Neuerungen auf? Wie fallen insbesondere die Reaktionen auf die größere Kostentransparenz aus?

Garces: Unsere Transparenzstandards waren auch schon vor dem Inkrafttreten von Mifid II sehr hoch. Das gilt auch mit Blick auf die Kostentransparenz: Wir weisen die Vertriebsfolgeprovision bereits seit Jahren in unseren Produktporträts aus – und zwar sowohl prozentual als auch absolut. Für unsere Kunden war das also nichts Neues. Im Alltagsgeschäft stellen wir aber fest, dass das Mehr an Daten und Informationen, die dem Kunden jetzt zur Verfügung gestellt werden müssen, nicht unbedingt zu einer höheren Aufklärung beitragen. Im Gegenteil, manche Kunden fühlen sich von dieser Informationsflut regelrecht erschlagen. Insbesondere für Investment-Einsteiger kann das mitunter abschreckend wirken.

Dauern die Beratungsgespräche denn länger als früher?

Garces: Nein, die Dauer unserer Beratungsgespräche hat sich durch Mifid II nicht merklich verlängert. Ein qualitativ hochwertiges Beratungsgespräch dauert bei uns im Schnitt gut 60 Minuten, bei Neukunden auch schon mal 90 Minuten.

Hat Mifid II zu Änderungen im Produktabsatz geführt? Verkaufen sich beispielsweise kostengünstige Fonds besser als früher, weil die Kosten prominenter herausgestellt werden müssen?

Garces: Wir stellen bislang keine nennenswerten Veränderungen im Produktabsatz fest. Im Rahmen unseres "Best Choice"-Ansatzes vergleichen wir aktiv gemanagte Fonds und passive ETFs anhand objektiver Parameter. Nur die Produkte, die bei diesem Vergleich die Nase vorne haben, erlangen das Prädikat "Best Choice", unabhängig davon, ob es sich um einen aktiven Fonds oder einen ETF handelt. Hier ist vor allen Dingen die Qualität der Produkte ausschlaggebend und nicht nur die Höhe der Kosten.

Vielen Dank für das Interview. (bm)


Eine ausführliche Analyse zum Mifid-II-Start lesen Sie in FONDS professionell 1/2018. Das Magazin wird den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt.