Die Tarifparteien im privaten und öffentlichen Bankgewerbe haben in der Nacht zu Donnerstag (04. Juli) eine Einigung erzielt: Die Entgelte für die fast 200.000 Beschäftigten steigen in zwei Stufen um insgesamt vier Prozent, ergänzt um Regelungen zu Gesundheit und Qualifizierung.

"Nach fünf Verhandlungsrunden mit 45 Verhandlungsstunden haben wir ein umfangreiches Gesamtpaket ausgehandelt, das eine deutliche Verbesserung gegenüber dem letzten Arbeitgeberangebot darstellt", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Meister. "Dies wäre ohne die 12.000 streikenden Bankbeschäftigten allein in den letzten drei Wochen nicht möglich gewesen."

Im Schnitt 1,66 Prozent mehr per annum
Der Tarifvertrag läuft bis Ende Juni 2021. Zum 1. September dieses Jahres steigen die Entgelte um zwei Prozent, zum 1. November 2020 erfolgt ein weiteres Plus um zwei Prozent. Damit erhöhen sich die Tarifgehälter über die Laufzeit um durchschnittlich 1,66 Prozent pro Jahr. Verdi hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und zusätzliche freie Tage gefordert – und die Tarifverhandlungen nach der vierten Verhandlungsrunde platzen lassen, um Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen.

Auszubildende erhalten 60 Euro mehr pro Monat und die Zusage, bei bestandener Abschlussprüfung für mindestens zwölf Monate übernommen zu werden. Alle Beschäftigten bekommen einen Anspruch auf ein jährliches Qualifizierungsgespräch und sollen "passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen" erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung von Verdi. Für alle Vorsorgeuntersuchungen gemäß dem Katalog der gesetzlichen Krankenversicherungen werden die Banker von der Arbeit befreit – laut Gewerkschaft ist das eine echte Neuerung für die Branche.

Altersversorgung nach dem Sozialpartnermodell
Außerdem einigten sich die Parteien darauf, die Tarifverträge zu modernisieren. Dazu gehören Verhandlungen über ein neues Tarifentgeltsystem, einen eigenständigen Ausbildungstarifvertrag und einen Tarifvertrag zur betrieblichen Altersversorgung nach dem neuen Sozialpartnermodell.

"Das Verhandlungsergebnis berücksichtigt die schwierige Branchenlage und dokumentiert zugleich den Reform- und Gestaltungswillen der Tarifparteien", sagte Karl von Rohr, Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber (AGV Banken). Gunar Feth, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft öffentlicher Banken (VÖB), bezeichnete die Verhandlungen als "lange und besonders schwierig". "Dieser Tarifabschluss liegt an der Belastungsgrenze, ist aber gerade noch vertretbar und wird den vielen verschiedenen Geschäftsmodellen in unserer Branche gerecht." (bm)