Deutsche Vermögensverwalter haben ihre Portfolios im Jahr 2025 spürbar umgebaut. Nach mehreren Jahren steigender Aktienquoten legte der Aktienboom erstmals eine Pause ein, während Anleihen wieder deutlich an Bedeutung gewannen. Auch innerhalb der Aktienportfolios verschoben sich die Gewichte: Statt den KI-Trend pauschal weiter hochzufahren, setzten Vermögensverwalter selektiver auf Technologietitel und wieder stärker auf deutsche und europäische Standardwerte. Das zeigt der neue "Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026", den das Institut für Vermögensaufbau (IVA) gemeinsam mit dem Münchner Wealthtech-Unternehmen Qplix erstellt hat.

Die Studie zählt zu den größten datengestützten Auswertungen professioneller Portfoliostrukturen im deutschsprachigen Raum. Für die Analyse wurden 55.801 reale Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern ausgewertet. Die Autoren betonen, dass die Portfolioverschiebung über das reine Anlagejahr 2025 hinausweist: Professionelle Anleger steuern Risiken demnach aktiver, nutzen das normalisierte Zinsumfeld gezielt und hinterfragen regionale Klumpenrisiken stärker als in den Vorjahren. Der "Trendmonitor" zeigt zudem, weshalb die Managerselektion entscheidend bleibt: Bei vergleichbarem Risikoniveau erzielen Vermögensverwalter teils deutlich unterschiedliche Ergebnisse.

Aktienboom pausiert, Anleihen feiern Renaissance
"Vermögensverwalter haben Aktien zwar nicht grundsätzlich infrage gestellt, aber sie haben die starke Gewichtung der Vorjahre nicht einfach fortgesetzt", erklärt Kai Linde, CEO von Qplix, zu den Ergebnissen. "Für 2026 bleibt daher weniger die Frage entscheidend, ob Aktien oder Anleihen 'gewinnen', sondern wie flexibel Portfolios zwischen Renditechancen, laufenden Erträgen und Liquidität austariert werden." Auch innerhalb der Aktienallokation sei es 2025 zu deutlichen Verschiebungen gekommen. Der Anteil US-amerikanischer Titel in den Einzelaktiendepots sank temporär von 41,2 auf 35,5 Prozent. Gleichzeitig legten deutsche Einzelaktien um 3,3 Prozentpunkte zu. Insgesamt stammen inzwischen 14 der 20 beliebtesten Einzelunternehmen aus Europa.

Damit dreht sich ein Trend des Vorjahres zumindest zeitweise um, denn 2024 hatten US-Aktien und US-Dollar-Anlagen noch deutlich dominiert. "Gerade nach Jahren wachsender US-Dominanz wird regionale Diversifikation wieder stärker verhandelt", so Linde weiter. "Ob das ein dauerhafter Strukturbruch ist, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Klar ist aber: Der Heimatmarkt lieferte 2025 wieder deutlich bessere Argumente für die Portfoliokonstruktion."

"Künstliche Intelligenz bleibt ein strukturelles Investmentthema, aber die Phase pauschaler Euphorie ist vorbei", ergänzt Andreas Ritter, Vorstand des IVA. "Vermögensverwalter verlangen stärker belastbare Geschäftsmodelle, Umsätze und Margen. Für 2026 bleibt deshalb besonders relevant, welche Unternehmen aus hohen Investitionen belastbare Erträge machen – Titelselektion wird wichtiger als die reine Sektorzugehörigkeit."

Bei Anleihen sind kurze Laufzeiten gefragt
Im Rentensegment bleiben deutsche Vermögensverwalter defensiv positioniert. 46 Prozent der Anleihen weisen eine Restlaufzeit von weniger als drei Jahren auf, weitere 42,1 Prozent liegen im Bereich von drei bis zehn Jahren. Damit konzentrieren sich rund 88 Prozent der Rentenbestände auf Laufzeiten von unter zehn Jahren.

Auffällig ist zugleich die Verschiebung im Bonitätsprofil. Zwar bleiben 76,3 Prozent der Rentenanlagen im Investment-Grade-Bereich verankert. Innerhalb dieses Segments gewinnen jedoch A-Anleihen und BBB-Anleihen deutlich an Bedeutung: Zusammen erreichen beide Ratingklassen 43,8 Prozent. Der Anteil von AAA-Anleihen ist mittlerweile auf 15,7 Prozent gefallen. High-Yield-Anleihen bleiben mit rund zehn Prozent eine begrenzte Beimischung.

Direktanlagen helfen, Aktivismus schadet
Ein neuer Schwerpunkt des "Trendmonitors 2026" ist ein erstmals implementiertes multivariates Regressionsmodell, das die tatsächlichen Performancetreiber in den analysierten Portfolios untersucht. Das Ergebnis: Portfolios mit höherer Direktinvestitionsquote, also mit einem stärkeren Anteil an Einzelaktien, Direktanleihen und kosteneffizienten ETFs, erzielen im Schnitt eine Mehrrendite von 1,74 Prozentpunkten pro Jahr gegenüber einer vollständigen Umsetzung mit aktiven Fonds.

Dagegen identifiziert das Modell zwei Belastungsfaktoren: Depots mit besonders hoher Umschlagshäufigkeit verlieren im Schnitt 1,03 Prozentpunkte Performance. Der Einsatz komplexer Retailprodukte wie Zertifikate oder klassischer Dachfonds senkt die Performanceerwartung laut Modell um 2,01 Prozentpunkte.

"Aktive Steuerung heißt nicht, ständig umzuschichten", betont Ritter. "Erfolgreich sind vor allem Portfolios, die transparent, kosteneffizient und diszipliniert umgesetzt werden. Hektischer Aktivismus und unnötig komplexe Produkte kosten dagegen messbar Rendite." Die Performancebetrachtung zeige zudem, dass bei vergleichbarem Risikoniveau erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Vermögensverwaltern bestehen. Die Managerselektion bleibt damit ein zentraler Erfolgsfaktor für Anleger. (hh)


Empirische Basis und Methodik
Für den "Trendmonitor Vermögensverwaltung 2026" wurden 55.801 reale Kundenportfolios von 121 unabhängigen Vermögensverwaltern ausgewertet. Die dargestellten Gewichte beruhen auf durchschnittlichen Depotgewichten, wobei jedes Depot unabhängig von seinem Volumen gleich gewichtet wird. Der Median des Depotvolumens lag 2025 bei rund 178.000 Euro, der rechnerische Durchschnitt bei 546.000 Euro. Rund 10,9 Prozent der untersuchten Portfolios wiesen ein Volumen von mehr als einer Million Euro auf.