Anleger, die auf die Dienste digitaler Vermögensverwalter vertrauen, zeigen sich angesichts des jüngsten Börsenbebens überraschend nervenstark. Branchenkenner hatten eigentlich vorhergesagt, dass "Robos" in Krisenzeiten scharenweise die Kunden weglaufen würden – schließlich bieten automatisierte Vermögensverwaltungen weder persönlichen Kontakt – also in diesem Fall Stressbewältigung – noch ein sonderlich ausgefeiltes Risikomanagement. Nun, da die Corona-Pandemie die Märkte heftig erschüttert, bleiben Investoren den Robos aber treu, berichtet das "Handelsblatt".

Anbieter wie Scalable Capital, Moneyfarm und Ginmon verzeichneten zwar zu Beginn der Corona-Krise mehr Anfragen besorgter Kunden als in ruhigen Börsenphasen, hat die Zeitung herausgefunden. Seit das Coronavirus die Schlagzeilen beherrscht, sind Robo-Kunden aber offenbar zur Tagesordnung übergegangen. Unterm Strich tun sie genau das, was derzeit viele Anlageprofis raten: Sie halten an ihren Strategien fest und beißen die Zähne zusammen.

Schnäppchenjagd statt Panikverkäufe
Den Anbietern zufolge haben nur wenige Investoren ihre Anlagestrategie verändert. So haben bei Liqid seit dem 20. Februar gerade einmal 1,1 Prozent der Kunden ihre Aktienquote gesenkt; 0,7 Prozent haben sie dagegen hochgefahren. Bei Moneyfarm sieht es ähnlich aus: Laut Deutschland-Chef Thomas Völker hat etwa ein Prozent der Kunden die Anlagestrategie umgestellt. "Zwei Drittel von ihnen wechseln in weniger riskante Strategien, ein Drittel in riskantere", so Völker gegenüber dem "Handelsblatt".

Panikverkäufe von Robo-Kunden, die manch ein Anlageexperte für schwierige Situationen wie die jetzige vorhergesagt hatte, sind ausgeblieben. Das Gegenteil ist eingetreten: Die von der Wirtschaftszeitung befragten Anbieter melden überwiegend, dass die Mittelzuflüsse die Abflüsse seit Beginn der Pandemie deutlich übersteigen. "Es gab natürlich Verkäufe, aber deutlich mehr Aufstockungen", zitiert die Zeitung eine Sprecherin von Quirion.

Wertentwicklung unterscheidet sich deutlich
Wie gut sich die von Robos verwalteten Portfolios derzeit halten, variiert je nach Anbieter. Viele Anbieter hatten bereits vor dem Corona-Ausbruch begonnen, Kundenportfolios defensiver zu positionieren, und verzeichnen nun vergleichsweise geringe Verluste. Einige Anbieter warten wiederum bewusst ab, weil sie bislang davon ausgehen, dass der Kurssturz nicht von Dauer sein wird. Unterm Strich verzeichnen Robo-Kunden je nach Strategie und Portfolio durch den Corona-Schock bislang Verluste zwischen sieben und 14 Prozent. (fp)