In Deutschland besteht seit rund drei Wochen ein Kontaktverbot: Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, sollen die Menschen möglichst Abstand halten. Das wirkt sich natürlich auch auf Makler aus, die Kunden im persönlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht beraten: Sie machen weniger Neugeschäft, der Umsatz leidet. Vermittler, die auf digitale Vermittlung und Tools wie Videoberatung setzten, haben weniger Probleme. Das zeigen zumindest aktuelle Umsatzzahlen des Maklerpools Blau Direkt, der schon seit Jahren viel Zeit und Geld in die IT steckt.

Die in Lübeck ansässige Gesellschaft feiert nach eigenen Angaben im März das aktuell beste monatliche Ergebnis im Lebensversicherungsgeschäft: Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 98,33 Prozent. Dabei seien die Umsätze der dazugewonnenen Kooperationen mit Wifo und Inpunkto noch nicht einmal enthalten. Auch in den Sparten Krankenversicherung (+26,0%), Kfz (+67,2%), Sach (+3,6%) und Gewerbe (+52,5%) seien deutliche Zuwächse gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen.

Keine Illusionen
"Die Menschen kommen praktisch nicht mehr aus dem Haus, alle Freizeitaktivitäten sind eingestellt. Das bedeutet, man erreicht sie jetzt viel leichter. Außerdem haben sie jetzt viel mehr Zeit, eine beabsichtigte, aber oft lange aufgeschobene Prüfung ihrer Versicherungen und Finanzen vorzunehmen", lässt Blau Direkt Nicolas Kocher, Geschäftsführer des Heidelberger Maklers Königswege, zu Worte kommen. Dieser habe mit 23 Millionen Euro Bewertungssumme im Bereich Lebensversicherung allein im März gerade einen neuen Umsatzrekord mit seiner Firma aufgestellt.

"Trotz des Erfolges sehen wir uns erst am Anfang der Krise", betont aber Oliver Pradetto, Co-Geschäftsfüher von Blau Diekt. "Wenn die Krise in den Portemonnaies der Masse ankommt, werden zweifellos auch für Digitalmakler die Neuverkäufe schwerer werden. Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Doch auch dann haben technologiegetriebene Makler einen Vorteil, sie können über Nacht Personalkosten in Größenordnungen einsparen."

Flexibler, effizienter, skalierbarer
Digitaltechnologie sei in Krisenzeiten nicht nur flexibler für den Vertrieb, sondern mache effizienter, redundanter und skalierbarer. Wer jetzt reagiere, könne das schlimmste vielleicht noch abwenden. "Sind die Umsätze erst eingebrochen und die Stornowellen klammer Kunden im Betrieb angekommen, ist es vielleicht zu spät, um die nötigen Veränderungen vornehmen zu können", so Pradetto. (jb)