Nach einem Jahr Corona-Krise zeigen die Bundesbürger in Finanzdingen eine geradezu Zen-mäßige Gelassenheit. In einer Umfrage von Union Investment gehen 67 Prozent der Befragten davon aus, dass sich ihre private Finanzlage in den nächsten sechs Monaten nicht verändert. Ein knappes Viertel der Umfrageteilnehmer rechnet sogar mit einer Verbesserung. Die Pessimisten sind mit acht Prozent klar in der Unterzahl. Für die Wirtschaft zeigen sich die Deutschen weniger zuversichtlich: Knapp ein Drittel meint, dass sich die Konjunktur erst in mehr als fünf Jahren wieder erholt haben wird. "Hier klafft eine Lücke, die sich möglicherweise wieder schließt, wenn die Konjunkturaussichten weiterhin gut bleiben", kommentiert Union-Investment-Geschäftsführer Giovanni Gay.

Passend zur demonstrativen Gelassenheit sind die Deutschen ihrer jeweiligen Anlagestrategie treu geblieben. Gerade einmal 16 Prozent der Befragten haben im Laufe des Corona-Jahres 2020 Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen. Vor allem die Jüngeren waren aktiv: Ein knappes Drittel der 20- bis 29-Jährigen hat zuletzt an seiner Geldanlage geschraubt. Für die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer (71 Prozent) waren Umschichtungen indes kein Thema und sind es nach eigenen Angaben auch künftig nicht. Die meisten Deutschen halten Portfolio-Anlassungen schlicht nicht für nötig. Einige Anleger bleiben allerdings allein aus Unsicherheit passiv, zeigt die Studie. Sie wissen nicht, welche Veränderungen womöglich sinnvoll wären, und wagen sich aus diesem Grund nicht an Umschichtungen heran.

Die nächste Generation entdeckt das Sparbuch
Im Verlauf der Pandemie ist die Sparquote in Deutschland deutlich gestiegen. Die Umfrage von Union Investment zeigt, dass Corona vor allem junge Menschen dazu motiviert, mehr Geld auf die hohe Kante zu legen. Unter den 20- bis 29-Jährigen wollen 29 Prozent der Befragten mehr Geld sparen. Zum Vergleich: Bei Umfrageteilnehmern in den Vierzigern sind es gerade einmal fünf Prozent. Die wichtigsten Sparziele sind dagegen über alle Altersklassen hinweg dieselben: Auf Platz eins liegt die private Altersvorsorge (82 Prozent), gefolgt vom Aufbau eines Notgroschens.

Bei der Frage nach den attraktivsten Anlageformen bekam Union Investment ähnliche Antworten wie bei vorangegangenen Umfragen. Am interessantesten finden die Deutschen nach wie vor Immobilien (76 Prozent), gefolgt von Betriebsrenten (60 Prozent), Gold (45 Prozent) und Aktien (44 Prozent). Investmentfonds finden nur 41 Prozent der Befragten am attraktivsten. (fp)