Die von der Bundesregierung geplante Frühstart-Rente überzeugt Eltern in Deutschland in der Theorie. In Bezug auf die Praxis zeigen sich viele jedoch noch eher zurückhaltend. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Yougov-Erhebung im Auftrag der MLP School of Financial Education (SoFE). Dafür hat das Meinungsforschungsinstitut im April dieses Jahres rund 1.000 Eltern befragt.

Wie die Untersuchung zeigt, halten zwar 59 Prozent der Teilnehmer die Frühstart-Rente für einen potenziell bedeutenden Baustein in der finanziellen Vorsorge ihrer Kinder. Gleichzeitig planen jedoch 27 Prozent der Eltern mit Kindern, die im Jahr 2020 oder später geboren wurden, vorerst ausschließlich den staatlichen Zuschuss von zehn Euro pro Monat zu nutzen.  

Das Konzept
Bei der Frühstart-Rente sollen Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren vom Staat monatlich zehn Euro für ein kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot erhalten, das die Eltern für sie eröffnen. Als Starttermin ist der 1. Januar 2027 geplant. Der Zuschuss richtet sich nach aktuellem Stand zunächst an Kinder des Jahrgangs 2020. In den Folgejahren soll er schrittweise auf die folgenden und später eventuell auch auf die älteren Jahrgänge ausgeweitet werden. 

Die zehn Euro können durch zusätzliche Einzahlungen von Eltern, Verwandten oder Freunden aufgestockt werden. Ab 18 Jahren können junge Erwachsene das Depot mit eigenen Einzahlungen weiter besparen. Das Geld soll bis zum Rentenalter im Depot bleiben und so über viele Jahrzehnte wachsen.

Anlass für intensivere Beschäftigung mit Finanzthemen
Die Frühstart-Rente stößt bei vielen Eltern auf Offenheit und Interesse, belegt die Erhebung im Auftrag der SoFE. 59 Prozent der Umfrageteilnehmer planen, sich künftig näher mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Über ein Drittel der Eltern ist allerdings noch unsicher oder sieht davon aktuell ab (35 Prozent). Für 53 Prozent der Befragten ist die Frühstart-Rente ein Anlass, sich intensiver mit Finanz- und Vorsorgethemen zu beschäftigen.

Ob die grundsätzliche Zustimmung auch tatsächlich in die Praxis umgesetzt wird, hängt für viele Eltern entscheidend von der Ausgestaltung der Frühstart-Rente ab. Bei der Frage nach gewünschten unterstützenden Maßnahmen für eine optimale Nutzung stehen besonders die Faktoren Einfachheit und Verlässlichkeit im Vordergrund. 

Finanzbildung gewünscht
Am häufigsten genannt wird eine automatische Erfassung der Kinder statt einer Antragspflicht (44 Prozent). Es folgt eine automatische Überführung des angesparten Kapitals in ein gefördertes Altersvorsorgedepot mit Vollendung des 18. Lebensjahres (41 Prozent). Rund jeder dritte befragte Elternteil (34 Prozent) wünscht sich zudem eine bildungspolitische Begleitung, zum Beispiel durch Angebote an Schulen, vom Arbeitgeber oder an privaten Institutionen. 

"Unsere Studie zeigt klar: Die Frühstart-Rente kommt bei Eltern gut an, aber die flächendeckende Umsetzung wird trotzdem kein Selbstläufer sein", erklärt Carolin Gellert, Leiterin der MLP School of Financial Education. Mütter und Väter hätten das Bedürfnis, Altersvorsorgekonzepte zu verstehen, bevor sie finanzielle Entscheidungen für ihre Kinder treffen. "Das macht deutlich, dass staatliche Impulse allein nicht ausreichen. Sie müssen durch Finanzbildung und fachliche Orientierung flankiert werden, um langfristig Wirkung zu entfalten", so Gellert. (am)