Die DVFA hat ihre Investment Professionals zum Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) im Berufsalltag befragt. Das Ergebnis: KI wird zunehmend genutzt, vor allem zur Effizienzsteigerung bei Routineaufgaben.

"KI ist in vielen Teams inzwischen ein Produktivitätswerkzeug – besonders bei Text, Strukturierung und der schnellen Vorbereitung von Inhalten. Entscheidend ist, dass wir Governance und Datenqualität so aufsetzen, dass aus Tempo auch Verlässlichkeit wird", kommentiert Christoph Schlienkamp, Leiter des neu gegründeten DVFA-Fachausschusses für künstliche Intelligenz.

Texterstellung liefert aktuell den größten Mehrwert
Den größten Nutzen sehen die Befragten derzeit bei der Texterstellung. Rund 50 Prozent der Antworten entfielen auf Anwendungen wie Zusammenfassungen, Protokolle oder die Vorbereitung von Frage-und-Antwort-Katalogen.

Deutlich dahinter folgen KI-gestützte Ideenfindung im Research mit 18 Prozent sowie die Unterstützung bei Datenarbeit und KPI-Strukturierung mit 17 Prozent. Für Frühwarnsignale, News- oder Sentiment-Analysen (5 %) sowie für Kennzahlenberechnungen in der Unternehmensbewertung (2 %) wird KI bislang kaum als hilfreich angesehen.

KI-Nutzung meist punktuell und experimentell
Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer nutzt KI bislang eher situativ. Rund 71 Prozent setzen KI-Werkzeuge ad hoc mit Einzel-Prompts ein. Jeder Fünfte arbeitet bereits mit standardisierten Workflows oder Templates, etwa zur Überprüfung von Reports.

Ein weitgehend automatisierter Einsatz von End-to-End-Agenten spielt mit vier Prozent bislang kaum eine Rolle. Drei Prozent der Befragten gaben an, derzeit überhaupt keine KI zu nutzen.

Öffentliche Tools dominieren das Setup
Fast die Hälfte der KI-Nutzer greift auf öffentlich zugängliche Tools wie ChatGPT oder Gemini zurück, ohne interne Daten einzubinden. Rund 25 Prozent nutzen Inhouse-Lösungen in geschützten Umgebungen, um interne Daten sicher verarbeiten zu können.

Microsoft Copilot kommt bei 23 Prozent zum Einsatz. Spezialplattformen von Research- oder Datenanbietern mit integrierter KI spielen mit zwei Prozent bislang nur eine untergeordnete Rolle.

Datenqualität und Compliance als größte Hürden
Als größtes Hemmnis für einen breiteren KI-Einsatz nennen 46 Prozent der Befragten die mangelhafte oder nicht überprüfbare Qualität von Input-Daten. Weitere 27 Prozent verweisen auf Unsicherheiten bei Urheberrecht, Datenschutz und Compliance sowie auf restriktive interne Richtlinien.

Hoher Integrationsaufwand, Reputationsrisiken und fehlende Akzeptanz bei Kunden bremsen den Einsatz ebenso wie fehlende Skills, unklare Vorgaben und interne Widerstände.

Menschliche Kontrolle bleibt Pflicht
Fast die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass Kennzahlenberechnungen und Unternehmensbewertungen niemals ausschließlich KI-basiert erfolgen dürften oder zumindest zwingend einer menschlichen Kontrolle bedürfen. Auch KI-generierte Research-Ideen sowie News-, Sentiment- und Frühwarnsignale müssten stets validiert werden. Selbst bei der Texterstellung fordert ein Teil der Befragten eine Überprüfung.

"Die Umfrage zeigt eine gesunde Professionalität: KI ist willkommen als Assistenz, aber nicht als Ersatz für Analyseverantwortung. Gerade bei Bewertung und entscheidungsrelevanten Recherchen braucht es transparente Methoden, Plausibilisierung und klare Leitplanken", sagt Volker Sack, Leiter der DVFA-Kommission Unternehmensanalyse. (mb)