Viele Banken und Fondsgesellschaften haben bisher kaum auf Nachhaltigkeit gesetzt und lassen ihre Produktpaletten angesichts des ESG-Booms umso temporeicher "ergrünen". Solche Nachzügler sehen sich zwar dem Vorwurf ausgesetzt, nur aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus auf den Nachhaltigkeitszug aufzuspringen – können aber gerade bei jüngeren Anlegern auf Verständnis hoffen. Unter den 16- bis 25-Jährigen sind 45 Prozent der Ansicht, dass auch Banken und Investmenthäuser, die bislang keine nachhaltigen Produkte angeboten haben, solche Anlageinstrumente glaubhaft vertreiben können. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

Unter den 26- bis 35-Jährigen sind immerhin 42 Prozent der Meinung, dass ein Umschwenken hin zu mehr Nachhaltigkeit auch jetzt nicht unglaubwürdig sein muss. Je älter Anleger sind, desto seltener sind sie allerdings bereit, den in Sachen ESG spätberufenen Investmentgesellschaften und Kreditinstituten eine Chance zu geben. So hielt in der DIA-Umfrage in der Altersgruppe über 66 Jahre nur noch knapp ein Viertel der Befragten eine strategische Nachhaltigkeits-Neuausrichtung für glaubwürdig.

Vertriebsfokus auf jüngere Kunden legen
Es ist nicht ausgeschlossen, dass Anleger von ihrer eigenen Flexibilität auf die der Anbieter schließen. "Die Jüngeren sind demnach eher bereit, Banken und Fondsgesellschaften eine gewisse Wandlungsfähigkeit zuzugestehen", sagt DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. Bei manch einem Fondshaus oder Kreditinstitut könnte diese Erkenntnis Konsequenzen für den Vertrieb haben: "Es wird in der jüngeren Altersgruppe einfacher sein, mit nachhaltigen Anlageprodukten Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu finden", erklärt Morgenstern. (fp)