Ungleichheit wächst: Ex-Bundesbankchef warnt vor "KI-Aristokratie"
Der ehemalige Bundesbankpräsident Axel Weber warnt vor den Folgen der künstlichen Intelligenz. Die Technologie könne eine neue globale Elite hervorbringen, während breite Bevölkerungsschichten auf der Strecke bleiben. Regierungen müssten jetzt gegensteuern, mahnt Weber.
Axel Weber, früherer Präsident der Deutschen Bundesbank, hat vor tiefgreifenden gesellschaftlichen Folgen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz (KI) gewarnt. Die Technologie könne eine neue globale Elite hervorbringen, die unverhältnismäßig stark vom technologischen Fortschritt profitiere, während andere zurückblieben, sagte Weber am Freitag (24.10.) während einer Podiumsdiskussion auf dem Bund Summit in Shanghai.
"Wir werden Menschen sehen, die von dieser neuen Technologie in einem Ausmaß profitieren, wie wir es bislang nicht erlebt haben", erklärte Weber, der auch ehemaliger Verwaltungsratspräsident der UBS Group ist. "So wie es Technologie-Milliardäre gibt, werden wir künftig 'KI-Aristokraten' sehen."
Risiko wachsender sozialer Ungleichheit
Der 68-Jährige äußerte die Befürchtung, dass KI massive Arbeitsplatzverluste verursachen und die Kluft zwischen hochqualifizierten Arbeitskräften und jenen, die durch Automatisierung ersetzt werden könnten, vergrößern könnte.
Weber sprach damit eine Sorge an, die international zunehmend diskutiert wird: Der mögliche Schock für den Arbeitsmarkt durch den rasanten Fortschritt der KI-Technologie.
Warnungen auch von Notenbankern und Politikberatern
Bereits zu Jahresbeginn hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde davor gewarnt, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz zu größerer Ungleichheit führen und das europäische Sozialmodell untergraben könnte.
Auch in China plädieren politische Berater dafür, ein Gleichgewicht zwischen der Förderung der Technologie und dem Schutz von Beschäftigten zu finden, um Massenentlassungen zu vermeiden.
Selbst KI-Befürworter sehen Risiken
Inzwischen erkennen auch einige der bekanntesten Befürworter von KI deren Gefahren an. Sam Altman, Chef von OpenAI, hatte einst betont, die Technologie könne globale Ungleichheit verringern. In einem Blogeintrag im Februar räumte er jedoch ein, dass die langfristigen Veränderungen für Gesellschaft und Wirtschaft enorm sein werden.
"Das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit könnte leicht aus dem Gleichgewicht geraten", schrieb Altman. "Das könnte frühzeitiges Eingreifen erforderlich machen."
Weber fordert Qualifizierungsprogramme statt Sondersteuern
Um eine Verschärfung der Ungleichheit zu verhindern, forderte Weber Regierungen weltweit auf, Umschulungs- und Weiterbildungsprogramme zu entwickeln. Staaten müssten ihre Volkswirtschaften an den Wandel anpassen, statt lediglich neue Steuern auf die KI-Industrie zu erheben.
"Wenn wir diesen Wandel falsch angehen, werden deutlich mehr Menschen ihre Arbeit verlieren als bei jeder früheren technologischen Revolution", warnte Weber.
China-Berater fordert faire Verteilung der KI-Gewinne
Auf dem Podium sprach auch Huang Yiping, Berater der chinesischen Zentralbank. Er mahnte, die wirtschaftlichen Vorteile der KI sollten gerechter verteilt werden. Regierungen müssten Arbeitnehmern, die ihre Jobs verlören, helfen, neue Fähigkeiten zu erlernen und in der digitalen Wirtschaft Fuß zu fassen, sagte er. (mb/Bloomberg)















