Estate Planner arbeiten an der Schnittstelle zwischen Anlageberater, Steuerfachmann und Rechtsanwalt – und sind gar nicht so leicht zu finden. Die V-Bank aus München musste fast ein Jahr suchen, bis sie den richtigen Experten auftat. Ab Januar 2019 wird der neue Kollege, dessen Name noch nicht genannt werden darf, den Geschäftspartnern der Bank seine umfassenden Dienstleistungen rund um das Thema Vermögensnachfolge anbieten. Florian Grenzebach, Bereichsleiter Vertrieb und Kundenbetreuung, erläutert im Interview mit FONDS professionell ONLINE, wie das Angebot aussehen wird und warum Berater ruhig darüber nachdenken sollten, eine Ausbildung zum Erbschaftsplaner zu absolvieren.


Herr Grenzebach, die V-Bank wird zu Jahresbeginn 2019 einen Nachfolgeplaner, auch Estate Planner genannt, einstellen. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Florian Grenzebach: Die V-Bank führt als Bankinstitut im Hintergrund die Depots für Kunden von Vermögensverwaltern. Kommt es bei uns zu Depotlöschungen, so ist neben dem Kauf einer Immobilie der häufigste Grund dafür der Tod des Vermögensinhabers. Viel besser wäre es, wenn die Erben eines Depotinhabers bereits zu dessen Lebzeiten Vertrauen zu seinem Vermögensverwalter gefasst hätten und sich ebenfalls von ihm betreuen ließen. Daher wird die V-Bank ihren Vermögensverwaltern ab Januar kommenden Jahres die Dienstleistungen eines Estate Planners anbieten.

Der neue Service wird vermutlich nicht kostenlos sein?

Grenzebach: Insbesondere kleinere und mittlere Vermögensverwaltungen, die selbst keinen eigenen Experten oder eine entsprechende Simulationssoftware vorhalten können, können sich über uns gegen ein im Vergleich zu Notaren und Rechtsanwälten geringes Honorar auf Stundenbasis einen unabhängigen Experten an ihre Seite holen. Unser Nachfolgeplaner kennt die Bedürfnisse von Vermögensverwaltern und ihren Mandanten bestens von innen. Er arbeitet völlig produktunabhängig und steht damit voll auf der Seite unserer Geschäftspartner und deren Mandanten.

Können Sie kurz beschreiben, worin genau die Tätigkeit eines Estate Planners besteht?

Grenzebach: Estate Planner arbeiten sozusagen an der Schnittstelle zwischen Anlageberater, Steuerfachmann und Rechtsanwalt. Sie tauchen viel tiefer in die Vermögens- und Familienstrukturen ihrer Kunden ein als irgendein anderer Berater. Arbeiten sie umsichtig und sensibel, haben sie die besten Chancen, zu einer echten Vertrauensperson zu werden. Und zwar nicht nur für den Kunden selbst: Sie helfen Vermögensverwaltern dabei, sich die möglichen Erben seines heutigen Kunden als künftige Klientel zu erschließen. 

Keine schlechte Perspektive angesichts von 400 Milliarden Euro, die einer Studie des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zufolge hierzulande jährlich vererbt werden.

Grenzebach: Ja, zudem hat das Marktforschungsinstitut Yougov ermittelt, dass jede fünfte Erbschaft in Deutschland über 250.000 Euro liegt. Zwei Drittel der Mandanten von Vermögensverwaltern sind über 50 Jahre alt. Das zeigen die Befragungsergebnisse des Institutes für Vermögensverwaltung (InVV). Damit zählen sie zu denen, die Erbschaften erhalten oder später selbst vererben.

Welche Dienstleistungen wird der Estate Planner den Kunden der V-Bank denn im Einzelnen anbieten?

Grenzebach: Das ist eine ganz Palette an Dienstleistungen. So können unsere Geschäftspartner den neuen Kollegen für Vorträge zu verschiedenen Themen der Vermögens- und Unternehmensnachfolge buchen. Er kann den Kundenstamm eines Vermögensverwalters daraufhin screenen, welche Klienten für ein Estate Planning in Frage kommen. Natürlich kann er mit den Kunden der Vermögensverwalter auch Erstgespräche über ihre Vorsorge- und Nachlassplanung führen, die Ist-Situation analysieren und die weitere Begleitung komplett übernehmen. Möglich ist andererseits, dass er die Nachfolgeplanung schriftlich ausarbeitet und sie dem Vermögensverwalter übergibt, sodass dieser dann die weitere Beratung übernimmt. Der Estate Planner kann die Kunden der Vermögensverwalter bei der Gründung einer Stiftung unterstützen. Und er verfügt über ein bundesweites Netzwerk von Notaren, Rechtsanwälten, Steuerberatern und Stiftungstreuhändern.

Warum ist das wichtig?

Grenzebach: Nur so kann der Estate Planner Kunden jederzeit an geeignete Experten verweisen, wenn er selbst nicht tätig werden darf. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es um eine konkrete Rechtsdienstleistung geht oder um Tätigkeiten, die Steuerberatern vorbehalten sind. Ab dem zweiten Quartal 2019 ist übrigens auch geplant, dass der Nachlassplaner Testamentsvollstreckungen anbietet.

Er benötigt offenbar zahlreiche Qualifikationen.

Grenzebach: Ja, die besitzt er. Er hat Wirtschaftsrecht studiert und eine Ausbildung zum Bankkaufmann sowie zum Estate Planner absolviert. Derzeit durchläuft er eine Qualifizierung auf dem Gebiet internationale Vermögensnachfolge. Es ist gut, wenn Nachfolgeplaner mehrere Qualifikationen haben, denn so können sie ein ganzes Paket an Leistungen anbieten. Dies kann für Berater durchaus lohnenswert sein, denn so leicht sind hochqualifizierte Experten nicht zu finden. Wir haben fast ein Jahr gesucht.

Und wen haben Sie schließlich gefunden? Wer ist denn der Estate Planner der V-Bank?

Grenzebach: Das darf ich noch nicht verraten. Ich kann nur so viel sagen: Der neue Kollege ist Mitte 30, war zuvor bei zwei Großbanken in verschiedenen Fach- und Führungspositionen tätig, zuletzt als Leiter des Bereichs Estate Planning. Wir werden den Namen bald bekannt geben.

Vielen Dank für das Gespräch. (am)


Einen ausführlichen Artikel über Estate Planning und die Möglichkeiten, sich zum Nachfolgeplaner ausbilden zu lassen, lesen Sie in der aktuellen Heftausgabe 4/2018 von FONDS professionell, die Abonnenten dieser Tage zugestellt wird.