Die nächste Bundesregierung, die voraussichtlich aus SPD, Grünen und FDP bestehen wird, muss sich dringend um eine Rentenreform kümmern, sagen Verbraucherschützer – und machen sich für ein Modell stark, wie es vor allem die Liberalen favorisieren: eine stärker als bisher auf Aktien basierende kapitalgedeckte Altersvorsorge. "Deutschland muss 20 Jahre falsche Kapitalanlage mit überwiegend festverzinslichen Anlageprodukten reparieren. Deswegen muss die neue Ampelkoalition den Weg für eine kostengünstige und renditestarke Altersvorsorge freimachen, die breit diversifiziert in Aktien anlegt", sagt Klaus Müller, Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV).

Die Verbraucherschützer haben gemeinsam mit dem Deutschen Aktieninstitut (DAI) und der Finvia Family Office GmbH ein Thesenpapier veröffentlicht, in dem sie die klar Vorteile einer Aktienrente herausstellen. In den vergangenen 120 Jahren haben Aktien nach Abzug der Inflation demnach im Schnitt 5,7 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet, Staatsanleihen dagegen nur 2,1 Prozent. Zugleich sei die langfristige Aktienanlage sachlich gesehen weniger riskant als ein Investment in Staatsanleihen, heißt es in dem Papier. Denn nach Verlustphasen kommen Anleger mit Aktien schneller wieder in die Gewinnzone als mit Festverzinslichen - eine Erkenntnis, die auch andere Studien eindeutig belegen.

Welche Säule darf's denn sein?
Verbraucherzentralen sprechen sich seit Jahren für eine kapitalmarktbasierte Altersvorsorge aus. Die FDP rennt also mit ihrem Vorschlag offene Türen ein. Die Frage ist allerdings, in welcher der drei Altersvorsorge-Säulen die Aktienrente angesiedelt wäre. Die Liberalen hätten sie gern als Teil der gesetzlichen Rente – eine Idee, die bei Ökonomen nicht nur auf Zustimmung stößt. Der VZBV will Aktieninvestments dagegen als Ersatz für renditeschwache und teure Riester-Produkte verstanden wissen, also als Teil der privaten Vorsorge, möglicherweise mit automatischem Beitrags-Einzug für Arbeitnehmer im Sinne einer sogenannten Widerspruchslösung (Opting Out). (fp)