Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) macht sich für eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge stark und schlägt die Einführung eines öffentlich-rechtlich organisierten Standardproduktes vor – unter dem Projektnamen "Extrarente". Hierfür berufen sich die Verbraucherschützer auf eine Umfrage, der zufolge 58 Prozent aller Deutschen zwar liebend gerne privat fürs Alter sparen möchten, zugleich aber den vorhandenen Angeboten nicht allzu viel zutrauen. Knapp drei Viertel der Verbraucher würden ein alternatives Standardprodukt befürworten – ein klarer Seitenhieb auf die Riester-Rente, die dem VZBV seit jeher in Dorn im Auge ist.

"Verbrauchern werden meist teure, kaum rentable und unflexible Rentenversicherungen angeboten, von denen vor allem die Versicherungswirtschaft und deren Vertriebe profitieren. Private Altersvorsorge sollte jedoch vor allem den Menschen dienen. Damit diese mehr Geld im Alter haben, ist eine kostengünstige und gewinnbringende Anlage entscheidend. Die Extrarente gewährleistet dies", so Klaus Müller, Vorstand des VZBV. "Verbraucher wollen, dass hier endlich etwas passiert. Jetzt ist die Bundesregierung gefragt."

Auszahlplan in Rentenphase
Die Verbraucherschützer stellen sich die "Extrarente" so vor: Das angesparte Geld soll bevorzugt über Investmentfonds am Kapitalmarkt angelegt werden – und zwar ausdrücklich ohne Kapitalgarantie, denn die koste auf lange Sicht einfach zuviel Rendite. In einer modellhaften Basisvariante sind vier Prozent des Bruttoeinkommens als monatliche Einzahlung vorgesehen – plus persönlich wählbarer, nicht näher erläuterter Zusatzbausteine.

Als "Vertriebsweg" der Extrarente sind die Arbeitgeber angedacht. Grundlage soll eine Widerspruchslösung sein: Verbraucher, die nicht in das Standardprodukt einzahlen wollen, müssen das nur klar zum Ausdruck bringen. Ansonsten sind sie automatisch mit von der Partie. Einzahlungen sollen der Höhe nach flexibel sein. In der Rentenphase werden die im Laufe der Jahre erworbenen Fondsanteile nach und nach wieder verkauft. 

Als Hauptargument für die "Extrarente" führt der VZBV die Kosten an: Die angedachte Standardlösung solle "über die öffentliche Hand durch Ausschreibungen statt über gewinnorientierte Unternehmen organisiert" werden, heißt es in einer Aussendung. Dadurch würden die Kosten für die Verwaltung massiv sinken und Kosten für den Vertrieb gar nicht erst entstehen. "Allein durch die geringeren Kosten fällt die spätere Rente für Verbraucher deutlich höher aus als bei üblichen Angeboten, beispielweise bei der Riester-Rente", schreiben die Verbraucherschützer.

Alter Hut
Der Vorschlag ähnelt stark der "Deutschlandrente", die die damalige schwarz-grüne hessische Landesregierung vor rund zweieinhalb Jahren vorgestellt hatte. Dieses Konzept sieht im Kern allerdings vor, dass alle Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter in einen zentralen Rentenfonds einzahlen, der dem Zugriff der Politik entzogen ist. Dabei solle jeder Arbeitnehmer ebenfalls per Opt-Out-Modell (Widerspruchslösung) zur Einzahlung verpflichtet werden. Die Gelder wiederum sollen gewinnbringend am Kapitalmarkt und damit explizit auch in Aktien angelegt werden. Die SPD- nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) schlug zu Jahresanfang ebenfalls ein standardisiertes Rentenmodell vor, das von der Sozialversicherung gemanagt werden soll.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigt sich von der "Extrarenten"-Idee wenig angetan. Der Vorschlag löse keine einzige der Herausforderungen für die Altersvorsorge. So setzten die Verbraucherschützer voll auf den Aktienmarkt, das Risiko müssten allein die Sparer tragen. Zudem ziele der Vorschlag in erster Linie auf Arbeitnehmer. Nötig sei aber eine Altersvorsorge unabhängig vom beruflichen Status.(jb)