Die aufsehenerregende Insolvenz des bayerischen Billigstromanbieters BEV hat nicht nur dafür gesorgt, dass rund eine halbe Million bundesdeutscher Haushalte zwischenzeitlich ohne Vertragspartner dastehen. Wegen des "Teldafax 2.0"-Vorfalls überlegt die Regierung derzeit, Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox, über die viele BEV-Tarife verkauft wurden, künftig strenger von der Bundesnetzagentur kontrollieren zu lassen und ihr mehr Rechte zu geben, wie das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mitteilte – ohne Details zu nennen.

Von dem möglichen Schritt wären – konsequent zu Ende gedacht –  auch Angebote aus anderen Bereichen wie Versicherungen oder Finanz- sowie Geldanlageprodukte betroffen. Dabei könnten mehr Befugnisse für die Bundesnetzagentur nur der Beginn von noch größerer Kontrolle sein.

Gerd Billen, Staatssekretär im BMJV, weist darauf hin, dass aktuell in Brüssel mehrere EU-Gesetzgebungsvorhaben verhandelt werden, die allgemeine Vorgaben für Internet-Vergleichsportale enthalten. Dazu zählen eine Modernisierung des Verbraucherrechts im Rahmen des "New Deal for Consumers" oder der Vorschlag einer "Verordnung zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten". "Die Bundesregierung setzt sich hierbei im Interesse der Verbraucher insbesondere für Verbesserungen bei der Transparenz der Portale ein", betont Billen.

Portale decken nicht den gesamten Markt für Versicherungen ab
Anlass für den behördlichen Vorstoß ist, wie die Portale zum Teil das Ranking der dargebotenen Produkte erstellen, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundeskartellamtes zu den Portalen ergab. Hierzu gehört etwa, dass die Höhe der gezahlten Provisionen die Reihenfolge der je nach Suchkriterien angezeigten Produkte oder Tarife beeinflusst. Ebenfalls kritisch gesehen wird, dass Portale bestimmte Produkte besonders hervorheben – je nach Sparte aufgrund von qualitativen Kriterien, aber eben auch, weil Anbieter dafür zahlen. Nicht zuletzt suggerieren die Betreiber der Tarifvergleiche aus Verbrauchersicht, einen umfassenden Marktüberblick zu geben – wobei de facto nur ein (zahlender) Teil der Produktanbieter überhaupt in die Auswahl kommt. 

Die erwähnte Studie kommt hinsichtlich Versicherungsvergleichen tatsächlich zu dem Schluss, dass die Portale je nach Versicherungsart nur rund 50 Prozent des Marktes abdecken. Bei einigen Policen können aber auch mehr als 90 Prozent erreicht werden. Ein Grund für diese Situation ist, dass einige Versicherer nicht mit den Portalen kooperieren und nicht geführt werden möchten. Prominentestes Beispiel ist die HUK Coburg.

Provisionen beeinflussen nicht das Ranking von Versicherungen
Während in vielen Sparten durch Zusatzvereinbarungen Geld fließt, damit ein Produkt von dem Portal besonders hervorgehoben wird – die sogenannte "Position  0" – , werden die Tarife im Versicherungsbereich bis auf wenige Ausnahmen aufgrund von Kriterien wie speziellem Leistungsumfang oder sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis ganz nach oben gestellt. "Auch wenn weitere Vereinbarungen dieser Art im Versicherungsbereich nicht auszuschließen sind, wird in diesem Bereich mit der Position 0 demnach vor allem ein Verbrauchermehrwert geschaffen", heißt es in der Studie der Kartellwächter. 

Die Studie stellt ferner fest, dass Provisionen bei Versicherungen im Gegensatz zu Stromtarifen keinen Einfluss auf das Ranking der Angebote haben. "Im Versicherungsbereich haben alle befragten Vergleichsportale angegeben, dass ihr Erstranking aufsteigend nach der jährlich zu zahlenden Nettoprämie erfolgt. Wie bei Krediten gibt es auch in diesem Bereich keine Rabatte, Gutschriften oder Aktionen der Versicherer, sodass sich nicht die Frage stellt, in welcher Form diese berücksichtigt werden. Für den Verbraucher ist diese Reihung nachvollziehbar." (jb)