Im Finanz- und Versicherungsvertrieb herrscht Nachwuchsmangel. Die Gründe dafür sind bekannt. Die Marktkrisen der letzten Jahre haben dem Berufsbild des Beraters geschadet, das Image des Finanz- und Versicherungsvertriebs ist angekratzt. Zusätzlich schrecken potenzielle Berufseinsteiger der enorme Anstieg der rechtlichen Anforderungen durch neue Regulierungen und gesetzliche Vorlagen sowie die öffentliche Diskussion über die Form und Höhe von Provisionen ab. Trotz diverser Branchenanstrengungen ist nach wie vor keine Trendwende in Sicht. Die aber wäre dringend nötig. Viele altgediente Berater gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand und stehen vor der Frage, was sie früher oder später mit ihrem Lebenswerk machen sollen.

Welche Dimensionen der demografische Umbruch in den kommenden zwei Dekaden  gerade im Versicherungsvertrieb annehmen könnte, zeigt eine aktuelle Auswertung der Altersstruktur des Versicherungsvermittlerregisters durch den Deutschen Industrie – und Handelskammertag (DIHK). Demnach bewegt sich das  durchschnittliche Alter der per Ende November 246.856 registrierten Vermittler nach und nach in Richtung 50.

Das Durchschnittalter geht gen 50
In die Auswertung einbezogen wurden alle Vermittler zwischen 18 und 65 Jahren, in Summe 204.794. Weitere 42.000 registrierte Vermittler sind bereits älter als 65 Jahre oder betreiben ihr Geschäft nicht mehr aktiv (siehe Grafik). Die beiden Hauptgruppen der aktiven Vermittler stellen die gebundenen Versicherungsvertreter und die Versicherungsmakler mit jeweils rund 144.000 und 35.000 Personen Das Durchschnittsalter der Versicherungsmakler beträgt nach Angaben der DIHK 47 Jahre. Gebundene Versicherungsvertreter sind mit 45 Jahren im Durchschnitt etwas jünger.  Die älteste Gruppe stellen die produktakzessorischen Versicherungsvertreter mit Erlaubnisbefreiung, also jene, die neben ihrer Haupttätigkeit produktergänzende Versicherungen vermitteln. Hier hat das Durchschnittsalter bereits die 50 erreicht.

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Dass die Branche zwingend Nachwuchsvermittler gewinnen muss, steht außer Frage. Wie und woher sich die neue Generation rekrutieren lässt allerdings nicht. Lange Zeit wurden die Nachwuchssorgen in den eigenen Reihen eher stiefmütterlich behandelt. Seit ein paar Jahren mehren sich zwar die Initiativen, das Problem aktiv anzugehen. Mehr als Insellösungen einiger weniger Marktteilnehmer sind das aber bislang nicht. (rmk)